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Dynami­scher Stromtarif

Lesezeit: 4 Minuten
Bei einem dynami­schen Strom­tarif, auch Restrom­tarif oder varia­bler Strom­tarif genannt, werden statt einem Fixbe­trag für jede verbrauchte Kilowatt­stunde die Börsen­preise in einem festge­legten zeitli­chen Inter­vall verrechnet. Solch ein Tarif kann für Anlagen­be­trei­bende von Erneu­er­baren Energien von Vorteil sein. Grund­sätz­lich ist es nämlich so, dass Anlage­be­trei­bende ihren Strom entweder komplett ins Strom­netz einspeisen oder diesen lokal vor Ort selbst verbrau­chen. In den meisten Fällen wird jedoch noch Strom aus dem Netz benötigt. Bei Erneu­er­baren Energien-Anlagen ist die Strom­erzeu­gung meist von den Witte­rungs­ver­hält­nissen abhängig. So kann es vorkommen, dass der Verbrauch nicht ganz mit der Strom­erzeu­gungs­menge der Anlage abgedeckt ist. Nun wird Reststrom benötigt. Hier kann ein dynami­scher Strom­tarif von Vorteil sein. 

Was ist ein dynami­scher Stromtarif?

Unter einem dynami­schen Strom­tarif, auch Restrom­tarif oder varia­bler Strom­tarif genannt, versteht man einen Strom­tarif, der die schwan­kenden Strom­preise an der Börse an den Endver­brau­cher weiter­gibt. Statt einem Fixbe­trag für jede verbrauchte Kilowatt­stunde gibt der Anbieter bei einem dynami­schen Strom­tarif zeitliche Strom­preis­schwan­kungen an der Börse an den Strom­kunden weiter. 

Wie funktio­niert ein dynami­scher Stromtarif?

Damit ein dynami­scher Strom­tarif genutzt werden kann, wird ein Smart Meter benötigt. Dieses ermög­licht, dass im 15-Minuten Takt der Strom­ver­brauch zwischen Anbieter und Verbrau­cher kommu­ni­ziert wird.

Der Strom­an­bieter muss dem Kunden eine trans­pa­rente Übersicht darüber geben, zu welchen Tages­zeiten der Strom beson­ders günstig ist. So kann der Kunde zum Beispiel Aktivi­täten, die viel Strom verbrau­chen wieetwa das Laden eines Elektro­autos oder das Waschen von Wäsche, in Zeiträume verla­gern, in denen der Strom günstiger ist.

Bei Anlage­be­trei­benden sind zwei verschie­dene Szena­rien denkbar:

1. Es wird weniger Strom produ­ziert als verbraucht. Für Betrei­bende einer Photo­vol­ta­ik­an­lage ist das häufig abends der Fall, wenn die Sonne unter­geht und dafür im Haus viele Lichter angeschaltet werden. In diesem Fall muss Strom, sogenannter Reststrom, vom öffent­li­chen Netz bezogen werden, um den Strom­be­darf im Haus zu decken.

2. Es wird mehr Strom produ­ziert als zu dem Zeitpunkt benötigt. In diesem zweiten Fall muss der überschüs­sige Strom in das Netz einge­speist werden und steht somit anderen Verbrau­chern zur Verfü­gung. Über die Strom Direkt­ver­mark­tung wird der erzeugte Strom optimal an der Strom­börse vermarktet und der Anlagen­be­trei­bende erhält folglich eine Vergü­tung für jede einge­speiste kWh.

Wie setzt sich der Preis eines dynami­schen Strom­ta­rifs zusammen? 

Der Preis eines “konser­va­tiven” Strom­ta­rifs setzt sich in der Regel aus einer Grund­ge­bühr (Messstel­len­ge­bühr, Service­kosten und Netznut­zungs­ge­bühren) sowie einem Verbrauchs­preis zusammen. Auch wenn die Strom­an­bieter den Strom stünd­lich einkaufen, wird ein fester Preis pro Kwh festge­legt. Deswegen entsteht ein gewisses Risiko für den Strom­an­bieter. Um dieses Risiko auszu­glei­chen, wird für die Ermitt­lung des Preises mit Durch­schnitts­werten gerechnet, die sich meist im oberen Preis­seg­ment befinden.

Ein ähnli­ches Risiko besteht für Strom­erzeuger bei denje­nigen Verbrau­chern, die Betrei­bende einer Erneu­er­bare Energie Anlage sind. Deren Eigen­be­darf ist schwie­riger zu ermit­teln, da die Balance zwischen Energie­er­zeu­gung und Verbrauch prognos­ti­ziert werden muss. Der Versorger trägt somit ein größeres Risiko, primär für die Ausgleichs­mengen. Bei konser­va­tiven Strom­ta­rifen wird dieses Risiko in der Regel als Risiko­pau­schale finan­ziell auf den Verbrau­cher umgelegt. Noch dazu ist der Reststrom­preis (wie der reguläre Strom­preis auch) typischer­weise vertrag­lich über mehrere Jahre festge­schrieben. Somit bezahlt der Verbrau­cher denselben Preis pro Kilowatt­stunde über einen festge­legten Zeitraum - unabhängig vom tatsäch­li­chen Zeitpunkt des Verbrauchs und dem realen Strom­preis am Markt, der auch darunter liegen kann. Da diese Verträge in der Regel auf mehrere Jahre ausge­legt sind und die Anbieter ihren Strom lange im Voraus einkaufen, entstehen auch hier Risiko­prä­mien, die sich für den Anbieter aus der Preis­un­si­cher­heit zwischen Termin­markt­preis und dem später realen Strom­preis ergeben. 

Bei einem dynami­schen Strom­tarif fallen die Kosten einer Risiko­pau­schale bzw. die zusätz­li­chen Kosten, die durch eine großzü­gi­gere Kalku­lie­rung des Strom­preises entstehen, weg. Bezahlt wird der aktuell herrschende Preis an der Strom­börse plus einer meist geringen Grund­ge­bühr, welche abhängig vom jewei­ligen Anbieter ist.

Auch wenn einzelne Stunden womög­lich teurer sind als in einem regulären Strom­tarif, ist die Mehrheit der Stunden meist deutlich günstiger als in einem regulären Vertrag.

Was hat Einfluss auf den Preis eines dynami­schen Stromtarifs?

Grund­sätz­lich wird Strom an der Börse gehan­delt. Die Anbieter und Produ­zenten verkaufen und kaufen dort ihren Strom. Ähnlich wie beim Aktien­markt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Der Preis für den Strom ist also immer dann beson­ders niedrig, wenn das Angebot deutlich größer als die Nachfrage ist.

Vor allem am Morgen und am Abend ist die Nachfrage nach Strom sehr hoch, sprich die Preise sind es ebenfalls. Nachts und nachmit­tags dagegen sind sie sehr niedrig und können sogar negativ werden. Das heißt, dass der Verbrau­cher für die Abnahme des Stroms sogar Geld bekommt. Durch einen steigenden Anteil erneu­er­barer Energien kommt dies immer häufiger vor. Die Energie­pro­duk­tion ist bei diesen Anlagen nämlich stark zeit- und witte­rungs­ab­hängig. An einem sonnigen Tag mit viel Wind wird zum Beispiel sehr viel erneu­er­bare Energie erzeugt. Wenn diese erzeugte Menge die Nachfrage übersteigt, gibt es negative Preise auf dem EPEX Spotmarkt, auf dem der Strom kurzfristig im 15-minuten Takt gehan­delt wird. Wer zu diesen Zeitpunkten den Strom abnimmt, wird finan­ziell belohnt und entlastet gleich­zeitig auch noch das Stromnetz.

 

Was sind die Vorteile eines dynami­schen Stromtarifs?

Was sind die Nachteile eines dynami­schen Stromtarifs?

Welche Anbieter bieten dynami­sche Strom­ta­rife an? 

Unter anderem bietet EnBW einen dynami­schen Strom­tarif an, bei dem die Börsen­preise aktuell direkt an den Verbrau­cher übermit­telt werden.

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