Was ist ein dynamischer Stromtarif?
Welche Vorteile hat ein dynamischer Stromtarif?
Wie funktioniert ein dynamischer Stromtarif?
Damit ein dynamischer Stromtarif genutzt werden kann, wird ein Smart Meter benötigt. Dieses ermöglicht, dass im 15-Minuten Takt der Stromverbrauch zwischen Anbieter und Verbraucher kommuniziert wird.
Der Stromanbieter muss dem Kunden eine transparente Übersicht darüber geben, zu welchen Tageszeiten der Strom besonders günstig ist. So kann der Kunde zum Beispiel Aktivitäten, die viel Strom verbrauchen wieetwa das Laden eines Elektroautos oder das Waschen von Wäsche, in Zeiträume verlagern, in denen der Strom günstiger ist.
Bei Anlagebetreibenden sind zwei verschiedene Szenarien denkbar:
1. Es wird weniger Strom produziert als verbraucht. Für Betreibende einer Photovoltaikanlage ist das häufig abends der Fall, wenn die Sonne untergeht und dafür im Haus viele Lichter angeschaltet werden. In diesem Fall muss Strom, sogenannter Reststrom, vom öffentlichen Netz bezogen werden, um den Strombedarf im Haus zu decken.
2. Es wird mehr Strom produziert als zu dem Zeitpunkt benötigt. In diesem zweiten Fall muss der überschüssige Strom in das Netz eingespeist werden und steht somit anderen Verbrauchern zur Verfügung. Über die Strom Direktvermarktung wird der erzeugte Strom optimal an der Strombörse vermarktet und der Anlagenbetreibende erhält folglich eine Vergütung für jede eingespeiste kWh.
Wie setzt sich der Preis eines dynamischen Stromtarifs zusammen?
Der Preis eines “konservativen” Stromtarifs setzt sich in der Regel aus einer Grundgebühr (Messstellengebühr, Servicekosten und Netznutzungsgebühren) sowie einem Verbrauchspreis zusammen. Auch wenn die Stromanbieter den Strom stündlich einkaufen, wird ein fester Preis pro Kwh festgelegt. Deswegen entsteht ein gewisses Risiko für den Stromanbieter. Um dieses Risiko auszugleichen, wird für die Ermittlung des Preises mit Durchschnittswerten gerechnet, die sich meist im oberen Preissegment befinden.
Ein ähnliches Risiko besteht für Stromerzeuger bei denjenigen Verbrauchern, die Betreibende einer Erneuerbare Energie Anlage sind. Deren Eigenbedarf ist schwieriger zu ermitteln, da die Balance zwischen Energieerzeugung und Verbrauch prognostiziert werden muss. Der Versorger trägt somit ein größeres Risiko, primär für die Ausgleichsmengen. Bei konservativen Stromtarifen wird dieses Risiko in der Regel als Risikopauschale finanziell auf den Verbraucher umgelegt. Noch dazu ist der Reststrompreis (wie der reguläre Strompreis auch) typischerweise vertraglich über mehrere Jahre festgeschrieben. Somit bezahlt der Verbraucher denselben Preis pro Kilowattstunde über einen festgelegten Zeitraum – unabhängig vom tatsächlichen Zeitpunkt des Verbrauchs und dem realen Strompreis am Markt, der auch darunter liegen kann. Da diese Verträge in der Regel auf mehrere Jahre ausgelegt sind und die Anbieter ihren Strom lange im Voraus einkaufen, entstehen auch hier Risikoprämien, die sich für den Anbieter aus der Preisunsicherheit zwischen Terminmarktpreis und dem später realen Strompreis ergeben.
Bei einem dynamischen Stromtarif fallen die Kosten einer Risikopauschale bzw. die zusätzlichen Kosten, die durch eine großzügigere Kalkulierung des Strompreises entstehen, weg. Bezahlt wird der aktuell herrschende Preis an der Strombörse plus einer meist geringen Grundgebühr, welche abhängig vom jeweiligen Anbieter ist.
Auch wenn einzelne Stunden womöglich teurer sind als in einem regulären Stromtarif, ist die Mehrheit der Stunden meist deutlich günstiger als in einem regulären Vertrag.
Was hat Einfluss auf den Preis eines dynamischen Stromtarifs?
Grundsätzlich wird Strom an der Börse gehandelt. Die Anbieter und Produzenten verkaufen und kaufen dort ihren Strom. Ähnlich wie beim Aktienmarkt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Der Preis für den Strom ist also immer dann besonders niedrig, wenn das Angebot deutlich größer als die Nachfrage ist.
Vor allem am Morgen und am Abend ist die Nachfrage nach Strom sehr hoch, sprich die Preise sind es ebenfalls. Nachts und nachmittags dagegen sind sie sehr niedrig und können sogar negativ werden. Das heißt, dass der Verbraucher für die Abnahme des Stroms sogar Geld bekommt. Durch einen steigenden Anteil erneuerbarer Energien kommt dies immer häufiger vor. Die Energieproduktion ist bei diesen Anlagen nämlich stark zeit- und witterungsabhängig. An einem sonnigen Tag mit viel Wind wird zum Beispiel sehr viel erneuerbare Energie erzeugt. Wenn diese erzeugte Menge die Nachfrage übersteigt, gibt es negative Preise auf dem EPEX Spotmarkt, auf dem der Strom kurzfristig im 15-minuten Takt gehandelt wird. Wer zu diesen Zeitpunkten den Strom abnimmt, wird finanziell belohnt und entlastet gleichzeitig auch noch das Stromnetz.
Was sind die Vorteile eines dynamischen Stromtarifs?
- Optimierter Eigenverbrauch wird ermöglicht: Der Verbraucher kann Strom zu den Zeiten beziehen zu denen er tendenziell eher günstig ist und seinen Stromverbrauch danach ausrichten.
- Möglichkeit von negativen Preisen zu profitieren: Die negativen Preise an der Börse werden an den Endverbraucher weitergegeben.
- Keine versteckten Risikoaufschläge
- Aktuelle Strompreisschwankungen werden genutzt, um den günstigsten Preis zu finden
- Unterstützt bei der Entlastung des Stromnetzes sowie dem Ausbau erneuerbarer Energien
Was sind die Nachteile eines dynamischen Stromtarifs?
- Ausgaben für den Strompreis sind variabel und können nicht im Voraus geplant werden
- Starke Schwankungen am Spotmarkt: Während bei einem konservativen Stromtarif eine Preissicherheit vorliegt, wird bei dynamischen Stromtarifen der Preis an der Börse weitergegeben, der in manchen Perioden auch überproportional ausfallen kann
- Höhere Zählerkosten für ein Intelligentes Messsystem fallen an
Welche Anbieter bieten dynamische Stromtarife an?
Unter anderem bietet EnBW einen dynamischen Stromtarif an, bei dem die Börsenpreise aktuell direkt an den Verbraucher übermittelt werden.
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