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Virtu­elle Kraft­werke – Ein modernes Geschäfts­mo­dell der Energiewende

Lesezeit: 3 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Ein Virtu­elles Kraft­werk ist kein Kraft­werk im eigent­li­chen Sinne. Es kann vielmehr als ein Schwarm dezen­traler Strom­erzeuger aus erneu­er­baren Energie­quellen betrachtet werden. In diesem Blogbei­trag beleuchten wir, warum Virtu­elle Kraft­werke und dahin­ter­ste­hende Geschäfts­mo­delle schon heute zentral für die Energie­welt von morgen sind.

Konkret betrachtet, versteht man unter einem Virtu­ellen Kraft­werk, dass sich kleine dezen­trale Einheiten der Strom­erzeu­gung zusam­men­schalten und über eine zentrale Instanz koordi­niert und kontrol­liert werden. Diese Strom­erzeu­gungs­an­lagen können Photo­vol­ta­ik­an­lagen, Wasser­kraft­an­lagen, Windener­gie­an­lagen, Biogas­an­lagen oder Block­heiz­kraft­werke sein. „Virtuell“ ist dabei vor allem die digitale Platt­form des Virtu­ellen Kraft­werkes, welche die zusam­men­ge­schal­teten Anlagen verbindet und mit dem Strom­markt zusam­men­führt. Diese Leistung bildet den Kern des Geschäfts­mo­delles, da das Kraft­werk meist keine eigenen Erzeu­gungs­an­lagen betreibt. Auf dem Markt nehmen Virtu­elle Kraft­werke damit eine vergleich­bare Rolle wie große, physi­sche Kraft­werke ein und können hinsicht­lich ihrer instal­lierten Leistung die Kapazität von Kraft­werken mit fossilen Energie­trä­gern weit übersteigen. Virtu­elle Kraft­werke ersetzen somit mehr und mehr konven­tio­nelle Großkraft­werke und gewähr­leisten dabei eine verläss­liche sowie klima­neu­trale Strom­ver­sor­gung entlang einer dezen­tralen Stromerzeugung.

Ein Virtu­elles Kraft­werk ist maximal flexibel

Virtu­elle Kraft­werke sind in ihrer Strom­pro­duk­tion sehr flexibel - wesent­lich flexi­bler als Großkraft­werke. Durch ein breites Anlagen­port­folio von regel­baren Energie­trä­gern und flexi­blen Strom­ver­brau­chern oder -Speichern können Virtu­elle Kraft­werke Ausgleichs­ka­pa­zität anbieten, mit welcher flexibel auf die unter­schied­li­chen Energie­ver­füg­bar­keit im Markt reagiert werden kann Diese Flexi­bi­lität auf Basis der Ausgleichs­ka­pa­zität ist einer der größten techni­schen Vorteile von Virtu­ellen Kraft­werken. Mit steigender Anzahl der dezen­tralen Erzeu­gungs­an­lagen und -arten erhöht sich dieser Effekt sogar: je mehr Anlagen­zu­sam­men­ge­schaltet sind, desto effizi­enter arbeitet das Kraftwerk! 

Ein Virtu­elles Kraft­werk ist ertragsoptimiert

Der wirtschaft­liche Nutzen von Virtu­ellen Kraft­werken liegt insbe­son­dere in der effek­tiven und gebün­delten Vermark­tung des dezen­tral erzeugten Stroms. Durch die zuvor beschrie­bene Regel­bar­keit der Anlagen und Aggre­ga­ti­ons­fä­hig­keit über mehrere Anlagen/Anlagencluster kann der erzeugte Strom ertrags­op­ti­miert auf den Strom­märkten angeboten werden. Ziel dabei ist es, Energie­be­darf und -erzeu­gung optimal aufein­ander abzustimmen und je nach Strom­an­gebot flexibel zu steuern. Das Virtu­elle Kraft­werk macht sich damit die Tatsache zu Nutze, dass Strom nicht immer in gleicher Menge vorhanden ist und somit unter­schied­liche Preise erzielt werden können. 

Ein Virtu­elles Kraft­werk nutzt die Digita­li­sie­rung zu seinem Vorteil

Ein weiteres Aufga­ben­feld des Virtu­ellen Kraft­werkes betrifft die Fernsteu­er­bar­keit, denn die konkrete Steue­rung der einzelnen Anlagen oder Anlagen­cluster wird durch das zentrale Leitsystem des Virtu­ellen Kraft­werks gewähr­leistet. Das Steuern von Anlagen ermög­licht zudem anspruchs­volle Reakti­ons­mög­lich­keiten auf Netzzu­stände, Regel­en­er­gie­ab­ruf­be­fehle sowie das Reagieren auf Preis­si­gnale am Strom­markt. Funktions- und Vermark­tungs­stra­te­gien unter­liegen somit einer perma­nenten Optimie­rung. Das Virtu­elle Kraft­werk betreibt aus diesem Zwecke speziell gesicherte Daten­ver­bin­dungen, die einer regel­mä­ßigen sicher­heits­tech­ni­schen Überprü­fung unter­liegen (ISMS nach ISO 27001). Diese Daten­ver­bin­dung ermög­licht einer­seits das Übertragen von Steuer­be­fehlen, anderer­seits aber auch die Übertra­gung von Echtzeit-Daten über den Auslas­tungs­zu­stand aller vernetzten Anlagen. Aus diesen umfang­rei­chen Daten­sätzen lassen sich wichtige Erkennt­nisse zu Prognosen und der Einsatz­pla­nung gewinnen, was durch den Einsatz von KI zusätz­lich unter­stützt wird.

Ein Virtu­elles Kraft­werk treibt die ‚Demokra­ti­sie­rung‘ des Energie­marktes voran

Durch die Energie­wende verän­dert sich die bishe­rige Erzeu­gungs­struktur des Energie­marktes nachhaltig: Konven­tio­nelle Großkraft­werke mit jeweils mehreren hundert Megawatt gehen nach und nach vom Netz (Atomaus­stieg 2022, Kohle­aus­stieg bis spätes­tens 2038) und verlieren mehr und mehr an Bedeu­tung. Die Erzeu­gung ist durch die steigende Anzahl an erneu­er­baren Energien Anlagen dezen­tral geworden. Etwa 2 Millionen dieser erneu­er­baren Anlagen sind mittler­weile z.B. auf deutschen Dächern, auf Feldern oder auf See instal­liert und speisen Strom ins Netz ein (Quelle: BDEW). Mit der schwin­denden Bedeu­tung von Großkraft­werken hat längst eine neue Ära begonnen: Nicht mehr einige wenige Unter­nehmen, sondern vor allem die Menschen gestalten die Energie­wende maßgeb­lich mit und ermög­li­chen so die Demokra­ti­sie­rung der Energie­märkte. Die Verant­wor­tung für eine klima­neu­trale Energie­ver­sor­gung liegt damit zu einem Großteil in den Händen der Gesell­schaft selbst. So spielt auch jede noch so kleine Einheit in dieser neuen Energie­land­schaft eine entschei­dende Rolle.

Eine erfolg­reiche Energie­wende benötigt Geschäfts­mo­delle, die Umwelt­schutz auf der Basis erneu­er­barer Energien mit einem Geschäfts­sinn verbinden, der nachhal­tiges Wirtschaften möglich macht. Aus diesem Grund sind Virtu­elle Kraft­werke schon heute ein zentraler Bestand­teil der Energie­welt von morgen.

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