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Die Mythen der Batte­rie­ver­mark­tung – wir klären Sie auf

Lesezeit: 3 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Batte­rie­spei­cher sind aus der modernen Energie­infra­struktur nicht mehr wegzu­denken. Sie spielen eine entschei­dende Rolle bei der Integra­tion erneu­er­barer Energien, der Stabi­li­sie­rung der Strom­netze und der Unter­stüt­zung eines nachhal­tigen Energie­mo­dells. Das schnelle Wachstum des Marktes und die techni­sche Komple­xität haben jedoch auch zu zahlrei­chen Mythen und Missver­ständ­nissen rund um die Vermark­tung von Batte­rie­spei­chern geführt. In diesem Blogar­tikel nehmen wir einige der gängigsten Mythen unter die Lupe und erklären, was wirklich dahintersteckt.

Verhältnis virtu­elles Trade-Volumen zu physi­ka­li­schen Energiemengen 

Mythos: Der Optimie­rungs­al­go­rithmus des Batte­rie­ver­mark­ters ist umso besser, je größer das Verhältnis zwischen der rein virtuell am Markt gehan­delten Energie­menge und der im Speicher physi­ka­lisch tatsäch­li­chen bewegten Energie­menge ist. 

Auflö­sung: Es ist richtig, dass durch konti­nu­ier­li­ches Handeln und Anpassen des vorge­se­henen Batte­rie­fahr­plans Mehrwert geschaffen werden kann. Wenn jedoch der Punkt erreicht ist, an dem die Trans­ak­ti­ons­kosten höher sind als der Ertrag aus einem zusätz­li­chen Kauf-Verkauf-Paar, sind die Handels­ak­ti­vi­täten nicht mehr wertbringend.

Umsatz vs. PnL (Profit & Loss)

Mythos: Ein hohes am Markt gehan­deltes Volumen (Umsatz) ist immer auch ein Indikator für einen guten Optimie­rungs­al­go­rithmus des Batterievermarkters.

Auflö­sung: Das am Markt gehan­delte Volumen kann problemlos gestei­gert werden, ohne dass damit gleich­zeitig auch ein Gewinn, d. h. ein positiver PnL (Profit & Loss) erzielt wird, indem auch Käufe und Verkäufe von 15-Minuten-Produkten zu nahezu gleichen Preisen getätigt werden. Entschei­dend für den PnL ist nämlich die Preis­dif­fe­renz bzw. der Ertrag, der durch einen Kauf und Verkauf erzielt werden kann.

Backtest vs. Reali­sierte PnL in der Vergangenheit 

Mythos: Die Backtest-Ergeb­nisse zeigen mir, was ich mit dem Optimie­rungs­al­go­rithmus des Batte­rie­ver­mark­ters in einem vergan­genen Zeitraum verdient hätte.

Auflö­sung: Alle Backtest-Ergeb­nisse wurden mit verein­fa­chenden Berech­nungen ermit­telt, von daher ist hier immer auch Vorsicht bei der Inter­pre­ta­tion dieser Ergeb­nisse angesagt. Diese Verein­fa­chungen können auftreten durch:

  • einen Algorithmus, der mit den Preis­mus­tern der betrach­teten histo­ri­schen Zeiträume trainiert wurde.
  • die Annahme, dass die getätigten Handels­ge­schäfte den Markt nicht beein­flussen – richtig ist aber, dass durch die eigenen Aktivi­täten Erlös­po­ten­ziale reali­siert werden, die sich zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr ergeben hätten.
  • perfekte Preis­vor­aus­schau
  • die Annahme, dass es keine Liqui­di­täts­be­schrän­kungen am Markt gibt, d. h. dass immer die besten Preis­paare reali­siert werden können – richtig ist, dass insbe­son­dere bei größeren Batte­rien nicht immer die gesamte Energie­menge zu den günstigsten Preisen einge­kauft und zu den teuersten Preisen verkauft werden kann. 

Ein Vergleich von Backtests z. B. verschie­dener Batte­rie­ver­markter mit jeweils unter­schied­li­chen Verein­fa­chungen kommt daher einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen gleich. 

Backtest vs. Zukunft

Mythos: Aus den vergan­genen Erträgen im Backtest kann auf zukünf­tige Erträge geschlossen werden.

Auflö­sung: Die Preis­bil­dung an den Strom­märkten hängt von einer Vielzahl an Einfluss­fak­toren ab (Wetter­lage, weltweites Angebot und Nachfrage nach fossilen Energie­trä­gern, Kraft­werks­ver­füg­bar­keiten etc.). Da sich das Energie­system u.a. durch den Ausbau der PV- und Windstrom­erzeu­gung sowie der Elektri­fi­zie­rung von Mobilität und Wärme­sek­toren in einem starken Wandel befindet, ergeben sich immer wieder neue Situa­tionen und damit Preis­struk­turen. Hinzu kommen unvor­her­seh­bare politi­sche Ereig­nisse sowie mögliche Änderungen in den regula­to­ri­schen Rahmen­be­din­gungen und dem Markt­de­sign, so dass die erziel­baren Erträge von Jahr zu Jahr stark schwanken.

Geogra­phi­sche Übertragbarkeit

Mythos: Die Erkennt­nisse aus einem Markt können auf einen anderen Markt übertragen werden (z. B. von Großbri­tan­nien auf Deutsch­land).

Auflö­sung: Die Märkte in unter­schied­li­chen geogra­fi­schen Regionen unter­scheiden sich in vielen Aspekten, so dass eine Übertrag­bar­keit der Ergeb­nisse nicht pauschal möglich ist. Unter­schiede können unter anderem im regula­to­risch definierten Markt­de­sign (z. B. Bestehen von Kapazi­täts­märkten), im Kraft­werks­port­folio oder in den nachfra­ge­sei­tigen Lastkurven bestehen. Da die Preis­bil­dung an den Strom­märkten von diesen grund­le­genden Einfluss­fak­toren abhängt, können sich für Batte­rien wesent­liche Aspekte wie Preis­ni­veau, Preis­vo­la­ti­lität, nutzbare Märkte und instal­lierte Batte­rie­ka­pa­zität stark unterscheiden.

Preis­pro­gnosen vs. Realität

Mythos: Detail­lierte und umfas­sende Modelle ermög­li­chen eine verläss­liche Prognose der Strom­preise für die Zukunft.

Auflö­sung: Trotz großer Fortschritte in der Leistungs­fä­hig­keit der Techno­logie und in der Model­lie­rung komplexer Systeme kann die Zukunft nicht verläss­lich vorher­ge­sagt werden. Statt­dessen ist es seriöser, verschie­dene mögliche Zukünfte, sogenannte Szena­rien, zu prognos­ti­zieren und auf Basis dieser Bandbreite an zukünf­tigen Ertrags­po­ten­zialen von Batte­rien bei der Ausge­stal­tung des Vertrags­ver­hält­nisses zwischen Batte­rie­ei­gen­tümer und Batte­rie­ver­markter und der Wahl des Vergü­tungs­mo­delles die Risiken zwischen beiden Parteien fair zu verteilen.

Die techni­sche Komple­xität von Batte­rie­spei­chern erfor­dert eine diffe­ren­zierte Betrach­tung und ein tiefes Verständnis, um die tatsäch­li­chen Poten­ziale und Grenzen zu erkennen. Nach wie vor gibt es Missver­ständ­nisse, Falsch­in­for­ma­tionen oder undurch­sich­tige Behaup­tungen, die für Verwir­rung sorgen können. Deshalb ist es wichtig, sich über fundierte, aktuelle und seriöse Quellen zu infor­mieren, um die Vorteile der Batte­rie­tech­no­logie voll ausschöpfen zu können. Eine Ausein­an­der­set­zung mit den Fakten zeigt, dass Batte­rie­spei­cher effizient und verant­wor­tungs­voll in unsere Energie­infra­struktur integriert werden können und somit einen Beitrag zu einer nachhal­ti­geren Zukunft leisten.

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