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Großbat­te­rie­spei­cher - Die Antwort auf negative Strompreise

Lesezeit: 6 Minuten

Inhaltsverzeichnis

In den vergan­genen Jahren haben sich die Energie­märkte in Deutsch­land enorm verän­dert. So hat die Volati­lität auf den Spotmärkten deutlich zugenommen und beson­ders seit Corona treten extreme Preis­spitzen und auch Preis­ab­fälle auf. Ein immer häufiger zu beobach­tendes Phänomen sind negative Strom­preise. Sie treten auf, wenn die Strom­ein­spei­sung durch Erneu­er­bare den Verbrauch übersteigt. In solchen Fällen muss man für die Einspei­sung bezahlen, anstatt Erlöse zu erzielen. Für volatile Erzeuger wie PV- oder Windan­lagen, die planbare Erlöse möchten, ist das natür­lich ein Problem. Anders sieht es bei Batte­rie­spei­chern aus, die nicht von einzelnen Preis­spitzen, sondern vom Spread zwischen hohen und niedrigen Preisen profi­tieren. Der Wert von Flexi­bi­lität nimmt durch die steigende Volati­lität auf den Spot-Märkten immer weiter zu und sorgt für einen enormen Anstieg der Nachfrage nach Batte­rie­spei­cher­pro­jekten. Dies ist auch äußerst sinnvoll, weil das regene­ra­tive Energie­system der Zukunft Batte­rie­spei­cher für den Ausgleich volatiler Erzeu­gungs­ka­pa­zi­täten und die Flexi­bi­li­sie­rung des Strom­netzes dringend benötigt. Zudem stellt die Zwischen­spei­che­rung und system­ge­rechte Vermark­tung von Strom eine wirtschaft­lich sehr attrak­tive Option an vielen Stand­orten dar.

In diesem Blogbei­trag werfen wir zuerst einen genaueren Blick auf die Energie­markt­ent­wick­lung. Weiterhin gehen wir darauf ein, welche Bedeu­tung Batte­rie­spei­cher durch negative Strom­preise bekommen und welche Chancen bzw. Heraus­for­de­rungen sich daraus ergeben.

Wieso treten negative Strom­preise immer häufiger auf?

Vor allem im Sommer kommt es an sonnigen Tagen - wenn in ganz Deutsch­land PV-Anlagen viel Strom ins Netz einspeisen - vermehrt zu negativen Strom­preisen, wie in der nachfol­genden Entwick­lung der negativen Strom­preise von 2015 bis 2024 darge­stellt. (Quelle: 1komma5)

Negative Stunden 2019-2025_22
Inzwi­schen tritt dieses Phänomen nicht mehr nur überwie­gend an Feier­tagen auf (an denen der bundes­weite Strom­ver­brauch i.d.R. natur­gemäß geringer ist), sondern ist auch an ganz normalen Wochen­tagen zu beobachten. Betrei­bende klassi­scher EE-Anlagen müssen dann entweder für ihren einge­speisten Strom zahlen oder ihre Anlagen abregeln. Batte­rie­spei­cher hingegen können den Strom aufnehmen und dafür sogar Geld erhalten. Die Entwick­lung der negativen Strom­preise ist somit durchaus als deutli­ches Markt­si­gnal für mehr Flexi­bi­lität zu interpretieren. 

Welche regula­to­ri­schen Änderungen treiben den Batte­rie­spei­cher­markt an?

Die zuvor beleuch­tete Entwick­lung wird für PV-Anlagen­be­treiber durch das am 25.02.2025 in Kraft getre­tene „Solar­spit­zen­ge­setz“ weiter verschärft, welches u.a. § 51 EEG neu regelt: Zukünftig erhalten Neuan­lagen keine EEG-Vergü­tung mehr in Zeiten von negativen Strom­preisen. So verrin­gert sich der anzule­gende Wert dann schon ab der ersten Viertel­stunde mit negativen Preisen auf null. Die Anzahl an Viertel­stunden, in denen sich die EEG-Vergü­tung auf null reduziert hat, wird jedoch weiterhin an die 20-jährige EEG-Förder­zeit angehängt. Je mehr Stunden mit negativen Preisen also im Jahr auftreten, desto weniger Geld wird eine allein­ste­hende PV-Anlage verdienen.

Boom für den Batteriespeichermarkt

Dass die Überschuss­leis­tung aus erneu­er­baren Energien gespei­chert werden will, liegt auf der Hand und erklärt die steigende Nachfrage nach Flexi­bi­lität und somit die wachsende Bedeu­tung von Batte­rie­spei­chern. Kein Wunder, dass auf dem Batte­rie­spei­cher­markt aktuell von einer “Goldgrä­ber­stim­mung” die Rede ist. Denn auch die Zahlen sprechen für sich und verstärken den Trend: Im Jahr 2024 gab es 457 Stunden mit negativen Strom­preisen, ein deutli­cher Anstieg im Vergleich zu 301 Stunden mit negativen Strom­preisen im Jahr 2023.

(Quelle: BHKW-Infozen­trum GbR & Bundes­netz­agentur
https://www.bhkw-infozentrum.de/wirtschaftlichkeit-bhkw-kwk/negative-strompreise-fakten-und-statistiken.html, Abruf: 10.02.2025
https://www.pv-magazine.de/2025/01/03/bundesnetzagentur-457-stunden-mit-negativen-strompreisen-insgesamt-weniger-preisspitzen-2024/, Abruf 10.02.2025)

Diese Entwick­lung zeigt, dass der Batte­rie­spei­cher­markt ein enormes Wachs­tums­po­ten­zial hat, da die Volati­lität weiter zunehmen wird. Energy Brain­pool etwa prognos­ti­ziert, dass sich die Anzahl an Stunden mit negativen Strom­preisen bis 2030 im Vergleich zu 2023 verdop­peln werde. 

Batte­rie­spei­cher erwirt­schaften ihre Erlöse in den Preis­spreads aus maximalen Preis­höhen und -tiefen, indem sie z.B. bei negativen Strom­preisen aus dem Netz laden und dafür Geld erhalten.
Dieses Geschäfts­mo­dell treibt die Nachfrage nach Speicher­ka­pa­zi­täten und flexi­blen Lösungen an. Das enorme Poten­zial und die wachsende Bedeu­tung von Batte­rie­spei­chern im Energie­markt wird dadurch deutlich. Laut dem Bundes­ver­band Solar­wirt­schaft wird eine Verfünf­fa­chung der instal­lierten Kapazität großer Batte­rie­spei­cher in Deutsch­land erwartet. Diese Entwick­lung ist entschei­dend für eine erfolg­reiche Energie­wende, da sie hilft, die wachsende Photo­vol­ta­ik­leis­tung besser in das Strom­system zu integrieren. Für Betreiber erneu­er­barer Anlagen bedeutet ein ergän­zender Speicher eine natür­liche Absiche­rung ihres Risikos im Portfolio. Denn in all jenen Zeiten mit negativen oder sehr niedrigen Preisen, wo insbe­son­dere PV-Anlagen durch die Regelung des § 51 EEG und /oder Abschal­tung keine bzw. nur sehr geringe Erlöse erzielen, verdienen Batte­rie­spei­cher ihr Geld.

Wirtschaft­liche Vorteile und Geschäfts­mo­delle von Batteriespeichern

Die wirtschaft­li­chen Vorteile von Batte­rie­spei­chern sind vielfältig und bieten Betrei­bern erneu­er­barer Energien eine attrak­tive Möglich­keit, ihre Einnahmen zu maximieren.
Durch Batte­rie­spei­cher gelingt es, den Eigen­ver­brauch von selbst erzeugtem Strom zu erhöhen. Ohne Speicher gehen rund 30–40% des erzeugten Stroms ins Netz, während mit einem Speicher bis zu 70% oder mehr selbst genutzt werden können. Dies spart nicht nur Kosten, sondern macht Betrei­bende auch unabhän­giger von steigenden Strom­preisen. Ein weiterer Vorteil ist die Notstrom­ver­sor­gung, die viele Batte­rie­spei­cher bieten. Bei einem Strom­aus­fall können sie weiterhin Strom liefern und so die Versor­gungs­si­cher­heit erhöhen.
Batte­rie­spei­cher ermög­li­chen es, überschüs­sigen Strom zu Zeiten negativer Strom­preise zu speichern und ihn zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Preise höher sind, wieder ins Netz einzu­speisen. Dieses Geschäfts­mo­dell, bekannt als Arbitrage, nutzt die Preis­schwan­kungen auf den Energie­märkten optimal aus und sorgt für zusätz­liche Einnahmen, unabhängig von staat­li­chen Förde­rungen.
Ein weiteres Geschäfts­mo­dell ist die Bereit­stel­lung von Regel­en­ergie. Batte­rie­spei­cher können schnell auf Netzschwan­kungen reagieren und so zur Stabi­li­sie­rung des Strom­netzes beitragen. Dafür erhalten Betrei­bende eine Vergü­tung, die sich nach der bereit­ge­stellten Leistung und der Häufig­keit der Einsätze richtet. Zudem entwi­ckeln sich Batte­rie­spei­cher zu einer Schlüs­sel­tech­no­logie für die Energie­wende, da sie die Netzsta­bi­lität erhöhen und die Integra­tion erneu­er­barer Energien unterstützen.

Techno­lo­gi­sche Entwick­lungen und Anlagen­kon­stel­la­tionen mit Batteriespeichern

Die techno­lo­gi­sche Entwick­lung im Bereich der Batte­rie­spei­cher schreitet rasant voran und trägt maßgeb­lich zur Effizi­enz­stei­ge­rung und Kosten­sen­kung bei.
Die bislang gängigste Anlagen­kon­stel­la­tion sind sogenannte Stand-alone-Batte­rie­spei­cher. Sie zählen als eigen­stän­dige Energie­spei­cher­sys­teme, da sie den Netzan­schluss nicht mit Solar- oder Windparks teilen und somit unabhängig von EE-Anlagen arbeiten. Durch die Nutzung der freien techni­schen Kapazität des Netzan­schlusses können Stand-alone-Speicher flexibel Batte­rie­strom ins Netz einspeisen und ausspeisen, was die Zuver­läs­sig­keit und Stabi­lität der Strom­ver­sor­gung erhöht. Der größte Vorteil von Stand-alone-Batte­rie­spei­chern besteht darin, dass der Netzan­schluss konti­nu­ier­lich (24/7, 365 Tage im Jahr) durch den Batte­rie­spei­cher genutzt werden kann. Es gibt keine zeitli­chen oder leistungs­mä­ßigen Einschrän­kungen, was maximale Flexi­bi­lität in allen Märkten und die höchsten lukra­tiven Erlöse aller Speicher­kon­stel­la­tionen bedeutet.
Ein weiterer innova­tiver Ansatz ist die Integra­tion von Batte­rie­spei­chern in hybride Kraft­werke. Diese kombi­nieren verschie­dene erneu­er­bare Energie­quellen, wie Photo­vol­taik und Windkraft, mit Batte­rie­spei­chern, um eine konti­nu­ier­liche und zuver­läs­sige Strom­ver­sor­gung zu gewähr­leisten. Solche hybriden Systeme können die Volati­lität der erneu­er­baren Energien ausglei­chen und die Netzsta­bi­lität verbessern.

Welche Möglich­keiten von Hybrid-Kraft­werken gibt es?

Für die Reali­sie­rung von Hybrid-Kraft­werken gibt es verschie­dene Konstellationen:

  • Option 1: Innova­ti­ons­aus­schrei­bung
    Diese Option steht nur für Neuan­lagen zur Verfü­gung. Der EE-Park und der Batte­rie­spei­cher teilen sich einen gemein­samen Netzan­schluss. Ein Netzbezug des Batte­rie­spei­chers ist nicht zulässig; dieser wird ausschließ­lich aus dem onsite EE-Park beladen. Die Batterie optimiert die Einspei­sung des EE-Parks über die Kurzfrist­märkte Day-Ahead und Intraday. Diese Kombi­na­tion wird im Rahmen der Innova­ti­ons­aus­schrei­bung als Teil des EEG geför­dert und bietet einen einfa­chen Einstieg in die Batterievermarktung.
  • Option 2: Co-Location merchant
    Bei dieser Option wird das Hybrid-Kraft­werk ohne Förde­rung wie in der Innova­ti­ons­aus­schrei­bung errichtet, z. B. durch die Nachrüs­tung von Batte­rie­spei­chern in bestehenden EE-Parks. Für diese Option ist es notwendig, dass ein Netzbezug des Batte­rie­spei­chers sicher­ge­stellt ist. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, insbe­son­dere im Hinblick auf mögliche bereits existie­rende Förde­rungen des bestehenden Solar­parks. Wichtig ist hier die anlagen­scharfe messtech­ni­sche und zähler­mä­ßige Trennung der Strom­mengen (Einspei­sung und Bezug) zwischen EE-Park und Batterie, um zu vermeiden, dass einge­speiste EE-Mengen als Graustrom dekla­riert werden und der Solar­park damit eventuell seine EEG-Förde­rung verliert. Auch würde der erzeugte EE-Strom bei Einspei­che­rung in die „graue“ Batterie seine Förder­fä­hig­keit verlieren. Die Batterie bezieht Strom somit ausschließ­lich aus dem Netz und nicht aus dem onsite EE-Park. Der EE-Park und der Batte­rie­spei­cher wechseln sich bei dieser Option bei der Nutzung des Netzan­schlusses ab, d.h. der EE-Park hat in der Regel Einspei­se­vor­rang und speist immer zu den Zeitpunkten ein, wenn er Strom produ­ziert. In den übrigen Stunden wird die Batterie wie ein stand-alone Speicher „Multi-Market“ über die Regel­en­ergie- und Kurzfrist­märkte optimiert. Der Netzan­schluss wird damit maximal effizient genutzt.
  • Option 3: Full Hybrid
    Im Gegen­satz zur Innova­ti­ons­aus­schrei­bung, wo eine Beladung der Batterie nur aus dem EE-Park zulässig ist, und im Gegen­satz zum Modell „co-location merchant“, wo die Batterie ausschließ­lich aus dem Netz belädt, soll durch das jüngst verab­schie­dete Solar­spit­zen­ge­setz bis spätes­tens Ende Juni 2026 auch eine kombi­nierte Nutzung der Batterie möglich sein. In diesem Fall kann die Batterie sowohl Graustrom aus dem Netz als auch Grünstrom aus dem EE-Park laden, ohne dass die Grünstrom­ei­gen­schaft des einge­spei­cherten EE-Stroms im ansonsten „grauen“ Batte­rie­spei­cher verloren geht. Dies würde eine kombi­nierte Optimie­rung der Batterie aus dem Multi-Market-Ansatz und der preis­ge­steu­erten Einspei­se­ver­schie­bung der EE-Erzeu­gung erlauben. Einzel­heiten zur Ausge­stal­tung dieser Option sind jedoch von der Bundes­netz­agentur noch abschlie­ßend zu definieren.

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