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Peak Shaving

Lesezeit: 4 Minuten

Peak Shaving (Spitzen glätten) ist der Prozess der Reduzie­rung des Energie­ver­brauchs in Zeiten des eigenen Spitzen­be­darfs, in denen der höchste Strom­ver­brauch liegt (Lastspitzen). Wir erklären Ihnen, was Peak Shaving genau bedeutet, wie es funktio­niert und wo der Unter­schied zur Lastver­schie­bung liegt.

Was ist Peak Shaving?

Peak Shaving, auch Lastspit­zen­kap­pung genannt, ist eine Form des Lastma­nage­ments, die dazu dient, den Strom­ver­brauch in Spitzen­last­zeiten zu reduzieren. Dabei wird die Nachfrage im Strom­netz in Zeiten hoher Nachfrage reduziert. Dies kann durch die Nutzung gespei­cherter Energie, zum Beispiel aus Batte­rien, oder durch die Erzeu­gung von eigenem Strom geschehen. Peak Shaving kann dazu beitragen, die Gesamt­kosten für Strom sowie den Bedarf an neuen Erzeu­gungs­ka­pa­zi­täten zu senken und ist dabei sowohl für Versor­gungs­un­ter­nehmen als auch für Verbrau­cher ein inter­es­santes Instru­ment. Bei Versor­gungs­un­ter­nehmen kann Peak Shaving beispiels­weise dazu beitragen, den Bedarf an neuen Erzeu­gungs­an­lagen zu verrin­gern, deren Bau häufig kostspielig und zeitauf­wendig ist. Verbrau­cher profi­tieren beim Peak Shaving häufig von niedri­geren Strom­rech­nungen. Beson­ders bei Gewerbe- und Indus­trie­ver­brau­chern kann Peak Shaving zu einer deutli­chen Einspa­rung im Bereich der Netznut­zungs­ent­gelte führen, da diese oft von der höchsten Leistungs­spitze des gesamten Jahres abhängen. Senkt man diese Leistungs­spitze, dann senkt man direkt die Netznut­zungs­ent­gelte für das gesamte Jahr. In einigen wenigen Fällen ist es den Verbrau­chern sogar möglich, überschüs­sige Kapazi­täten an das Netz zurück­zu­ver­kaufen. In jedem Fall kann das Spitzen­last­ma­nage­ment jedoch dazu beitragen, das Strom­system effizi­enter und zuver­läs­siger zu gestalten.

Was ist der Unter­schied zwischen Peak Shaving und Lastverschiebung?

Bei der Steue­rung der Energie­nach­frage gibt es zwei Schlüs­sel­stra­te­gien: Peak Shaving und Lastver­schie­bung. Unter Peak Shaving versteht man die Reduzie­rung des Energie­ver­brauchs in Zeiten hoher Nachfrage, beispiels­weise an heißen Sommer­tagen, um die Kapazität des Strom­netzes nicht zu überschreiten. Bei der Lastver­schie­bung hingegen wird der Energie­ver­brauch von Zeiten mit hoher Nachfrage auf Zeiten mit geringer Nachfrage verla­gert. Auf diese Weise können Unter­nehmen und Haushalte von niedri­geren Strom­ta­rifen profi­tieren und eine Belas­tung des Netzes vermeiden. Diese Strate­gien werden oft in Kombi­na­tion mitein­ander einge­setzt, um die Energie­ein­spa­rungen zu maximieren. 

Wie funktio­niert Peak Shaving?

Wenn die Strom­nach­frage sehr hoch ist, müssen Kraft­werke Überstunden machen, um den erhöhten Bedarf zu decken. Um das zu vermeiden, wenden die Versor­gungs­un­ter­nehmen das sogenannte Peak Shaving an. Indem sie den Strom­ver­brauch in Spitzen­zeiten reduzieren, können sie die Belas­tung des Netzes verrin­gern und großflä­chige Strom­aus­fälle verhin­dern. Es gibt eine Reihe von Möglich­keiten, Peak Shaving in der Praxis umzusetzen. Eine gängige Methode ist das Angebot von ermäßigten Strom­ta­rifen während der Schwach­last­zeiten. Dadurch werden die Kunden dazu angehalten, in den Zeiten mit der höchsten Nachfrage weniger Strom zu verbrau­chen. Eine weitere Möglich­keit zur Umset­zung von Peak Shaving besteht darin, Anreize für Energie­ef­fi­zienz zu schaffen. So können zum Beispiel Rabatte für Kunden angeboten werden, um sie dazu zu ermutigen, energie­ef­fi­zi­ente Geräte instal­lieren oder andere Moder­ni­sie­rungs­maß­nahmen an ihren Häusern vornehmen. Durch die Verrin­ge­rung der Energie­nach­frage kann Peak Shaving dazu beitragen, die Gesamt­kosten für die Versor­gungs­un­ter­nehmen und ihre Kunden zu senken. 

Peak Shaving durch Strom­spei­cher und Stromerzeuger

Es gibt verschie­dene Möglich­keiten, Strom­spitzen abzufangen. Eine sehr gängige Methode ist der Einsatz von Strom­spei­chern. Diese werden einge­setzt, um die Strom­nach­frage über den Tag hinweg auszu­glei­chen. Durch die Speiche­rung von Energie in Zeiten geringer Nachfrage und deren Abgabe in Spitzen­zeiten kann das Peak Shaving so dazu beitragen, den Bedarf an fossilen Brenn­stoffen zu verrin­gern. Darüber hinaus kann so die Netzsta­bi­lität verbes­sert werden und bei Strom­aus­fällen Reser­ve­strom bereit­ge­stellt werden. 

Peak Shaving durch Laststeue­rung Demand Side Management

Peak Shaving kann neben dem Einsatz von Strom­spei­chern auch durch eine Nachfra­ge­steue­rung (Demand Side Manage­ment) erreicht werden. Dabei werden Techniken zur Beein­flus­sung des Verbrau­cher­ver­hal­tens einge­setzt, um den Energie­ver­brauch in Spitzen­zeiten zu senken. Demand Side Manage­ment kann dabei durch eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt werden: Beispiels­weise durch das Angebot von Preis­nach­lässen für die Nutzung zu bestimmten Zeiten, die Bereit­stel­lung von Infor­ma­ti­ons­ma­te­rial zum Thema Spitzen­ver­brauch und die Instal­la­tion intel­li­genter Zähler, mit denen die Verbrau­cher ihren Energie­ver­brauch in Echtzeit überwa­chen können. Durch den Einsatz eines Energie­ma­nage­ment­sys­tems können Verbrau­cher auch ihren zukünf­tigen Strom­ver­brauch prognos­ti­zieren und steuern. So können zukünf­tige Lastspitzen vermieden werden, indem beispiels­weise zeitlich unkri­ti­sche Prozesse auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden oder der Strom­ver­brauch in einzelnen Viertel­stunden gezielt gedros­selt wird. All diese Maßnahmen sind zwar unter­schied­lich wirksam, können jedoch insge­samt dazu beitragen, den Energie­be­darf zu senken und Strom­aus­fälle in Zeiten hoher Nachfrage zu verhindern.

Wie werden Netznut­zungs­ent­gelte bei einem Peak Shaving berechnet?

Die Lastspitzen (Peaks) indus­tri­eller und gewerb­li­cher Strom­ver­brau­cher sind nicht nur für die Netzsta­bi­lität von Bedeu­tung, sondern wirken sich auch auf die letzt­end­liche Höhe der Strom­kosten aus. Dabei werden die verbrauch­stärksten 15 Minuten eines jeden Berech­nungs­zeit­raums (in der Regel eines Jahres) zur Berech­nung eines Großteils der Strom­kosten heran­ge­zogen. Die Berech­nung der Netznut­zungs­ent­gelte für Peak Shaving ist ein komplexer Prozess, bei dem viele verschie­dene Faktoren berück­sich­tigt werden. Ein Richt­wert kann anhand der höchsten bezogenen Leistung im Jahr bemessen werden. 

Berech­nungs­bei­spiel Netznut­zungs­ent­gelte bei Peak Shaving

Ein Unter­nehmen zahlt ein jährli­ches Leistungs­ent­gelt pro Kilowatt. Dieses Entgelt ist abhängig vom Verteil­netz­ge­biet und wird vom Verteil­netz­be­treiber gemeldet. Wenn ein Unter­nehmen also über ein ganzes Jahr hinweg eine Last von beispiels­weise 2000 kW ohne Lastspitzen hat, muss es ein jährli­ches, vom Vertei­ler­netz­be­treiber festge­legtes, Leistungs­ent­gelt pro Kilowatt zahlen.
Für dieses Rechen­bei­spiel nehmen wir einen Wert von 140 € pro kW und Jahr an. Die Netznut­zungs­ent­gelte belaufen sich in diesem Fall auf 2000 kW x 140 € = 280.000 €. Kommt es jedoch zu einer außer­ge­wöhn­li­chen Lastspitze von 500 kW, die nur 30 Minuten dauert, so erhöht sich die Berech­nungs­grund­lage für die Strom­preis­kom­po­nente der Netznut­zungs­ent­gelte sofort um diese 500 kW auf 2500 kW. Dies führt zu deutli­chen Mehrkosten von 70.000 € an Netznut­zungs­ent­gelten in der Jahres­ab­rech­nung, obwohl diese zusätz­liche Leistung nur für 30 Minuten im Jahr benötigt wird. Eine Vermei­dung dieser Leistungs­peaks kann dementspre­chend große finan­zi­elle Einspa­rungen bedeuten.

Ist Peak Shaving sinnvoll?

Peak Shaving ist ein nützli­ches Instru­ment zur Senkung des Energie­ver­brauchs und der damit zusam­men­hän­genden Kosten. Durch die Überwa­chung und Verrin­ge­rung des Energie­ver­brauchs in Zeiten hoher Nachfrage kann Peak Shaving vermeiden, dass kostspie­lige neuen Kraft­werke gebaut oder bestehende Netz aufge­rüstet werden muss. Für Unter­nehmen und Insti­tu­tionen kann Peak Shaving auch zur Senkung der Verbrauchs­ge­bühren beitragen. In einigen Fällen kann das Spitzen­last­ma­nage­ment sogar genutzt werden, um Energie­dienst­leis­tungen für das Netz zu erbringen, beispiels­weise durch die Bereit­stel­lung von Energie­spei­chern oder die Deckung des Spitzen­be­darfs. Peak Shaving trägt also dazu bei, die Belas­tung des Strom­netzes zu verrin­gern und die Lebens­dauer von Geräten zu verlän­gern, indem Zeiten mit hoher Belas­tung vermieden werden. Letzt­end­lich ist Peak Shaving ein wertvolles Instru­ment, das insbe­son­dere für Unter­nehmen von großem Nutzen sein kann. 
Sie haben Fragen? Kontak­tieren Sie uns!
Pierre Fees, Head of Sales 

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