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Tolling

Lesezeit: 3 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Tolling? 

Ein Tolling ist ein Vergü­tungs­mo­dell in der Batte­rie­ver­mark­tung, bei dem der Betreiber eines Batte­rie­spei­chers die Vermark­tung seines Speichers an einen spezia­li­sierten Markt­teil­nehmer überträgt und dafür eine fixe vertrag­lich verein­barte Vergü­tung erhält. Häufig wird Tolling als Synonym für ein Capacity Purchase Agree­ment (CPA) verwendet.

Wie funktio­niert die Vergü­tung beim Tolling Agreement

Bei einem Tolling Modell erhält der Betreiber eines Batte­rie­spei­chers­sys­tems (BESS), in der Regel Graustrom­spei­chers, eine fixe vertrag­lich verein­barte Vergü­tung pro Jahr. Im Gegenzug überlässt er dem Vermarkter die freie Nutzung der Speicher­ka­pa­zität. Der Vermarkter kann den Speicher anschlie­ßend nach seinem eigenen Ermessen z.B. an den verschie­denen Energie- und Flexi­bi­li­täts­märkten einsetzen. 

Die Vergü­tung erfolgt in der Regel als Fixpreis und ist unabhängig davon, welche Erlöse der Vermarkter tatsäch­lich erzielt. Damit übernimmt der Vermarkter einen Großteil der Markt- und Vermarktungsrisiken. 

Die Grafik zeigt das Tolling-Vergütungsmodell für einen Graustromspeicher. Zu sehen sind sechs Säulen, welche verschiedene Jahre repräsentieren und eine durchgehende Linie, welche ein festes Vergütungsniveau darstellt. Wird dieses Niveau nicht durch die Erlöse der Batterievermarktung erzielt, kommt es zu Ausgleichszahlungen der EnBW.
Tolling Vergü­tungs­mo­dell

Wie hoch ist die Vergü­tung beim Tolling-Agreement?

Wie hoch die Vergü­tung ausfällt, hängt unter anderem von der nutzbaren Leistung, der nutzbaren Speicher­ka­pa­zität, der zuläs­sigen Zyklen­zahl, dem Standort, eventu­ellen Einschrän­kungen am Netzan­schluss und den techni­schen Parame­tern des Batte­rie­spei­chers ab. Grund­sätz­lich gilt: Je mehr Flexi­bi­lität ein Speicher für die Vermark­tung bietet, desto attrak­tiver kann ein Tolling Agree­ment ausfallen. 

Für Inves­toren und finan­zie­rende Banken kann diese Planbar­keit ein Vorteil sein. Die festen und kalku­lier­baren Einnahmen erleich­tern häufig die Bewer­tung zukünf­tiger Cashflows und können dadurch die Finan­zie­rung von Batte­rie­spei­cher­pro­jekten unter­stützen. Die üblicher­weise fünf- bis zehnjäh­rigen Vertrags­lauf­zeiten tragen dabei zu einer höheren Planungs­si­cher­heit bei. 

Wann wird das Tolling Modell eingesetzt?

Das Tolling-Modell wird vor allem bei Stand-alone-Batte­rie­spei­chern und Co-Location-Graustrom­spei­chern einge­setzt. Voraus­set­zung ist, dass der Speicher unabhängig vermarktet werden kann und dem Vermarkter die notwen­dige Flexi­bi­lität zur Verfü­gung steht.

Co-Location Graustrom:

Bei einer Co-Location mit Graustrom­spei­cher können Erzeu­gungs­an­lage und Batte­rie­spei­cher energie­wirt­schaft­lich getrennt betrachtet werden. Der Speicher lässt sich dadurch unabhängig vermarkten, was klassi­sche Tolling-Modelle ermöglicht.

Co-Location Grünstrom:

Bei einer Co-Location mit Grünstrom­spei­cher wird der Speicher dagegen überwie­gend gemeinsam mit der Erzeu­gungs­an­lage betrieben, beispiels­weise zur Optimie­rung eines Solar- oder Windparks. Da die Vermark­tung hier stärker an die Strom­erzeu­gung gekop­pelt ist, kommen klassi­sche Tolling-Modelle in der Regel nicht oder nur einge­schränkt infrage.

Welche Risiken hat der Batte­rie­spei­cher­be­treiber beim Tolling Agreement?

Das größte Risiko besteht darin, dass der Betreiber nur begrenzt von steigenden Markt­erlösen profi­tiert. Die Vergü­tung bleibt in der Regel auch dann unver­än­dert, wenn der Vermarkter deutlich höhere Erlöse erzielt. Der Vermarkter trägt hier also nicht nur die allei­nigen Risiken aus der Vermark­tung, sondern auch die Chancen.

Zudem bleibt der Betreiber weiterhin für Betrieb, Wartung und Verfüg­bar­keit des Batte­rie­spei­chers verant­wort­lich. Nicht­ver­füg­bar­keiten der Batterie wie techni­sche Ausfälle als auch Abwei­chungen von den verein­barten Degra­da­tions- und Wirkungs­grad­kurven können je nach Vertrags­ge­stal­tung gegebe­nen­falls zu Vergü­tungs­ab­schlägen führen.

Da Tolling Agree­ments meist langfristig abgeschlossen werden, ist die Flexi­bi­lität des Betrei­bers einge­schränkt. Außerdem besteht ein Kontra­hen­ten­aus­fall­ri­siko, da die verein­barte Vergü­tung von der Zahlungs­fä­hig­keit und Zuver­läs­sig­keit des Vermark­tungs­part­ners abhängt. Die Auswahl eines finanz­starken und bonitäts­starken Tollers ist daher ein zentraler Erfolgs­faktor. Insbe­son­dere Banken und Inves­toren legen bei der Finan­zie­rung von Batte­rie­spei­cher­pro­jekten großen Wert auf die Kredit­wür­dig­keit und langfris­tige Stabi­lität des Vertrags­part­ners, da diese maßgeb­lich zur Absiche­rung der erwar­teten Cashflows beiträgt. Mit ihrer starken Markt­po­si­tion und hohen Bonität ist die EnBW in diesem Zusam­men­hang ein von Banken und Inves­toren häufig bevor­zugter Vertragspartner.

Welche Alter­na­tiven zum Tolling gibt es in der Batterievermarktung?

Alter­nativ zum Tolling können Betreiber an den tatsäch­lich erzielten Vermark­tungs­er­lösen betei­ligt werden. 

Profit-Share bzw. Fully Merchant

Beim Profit-Share- bezie­hungs­weise Fully-Merchant-Modell werden die tatsäch­lich erzielten Vermark­tungs­er­löse zwischen Speicher­be­treiber und Vermarkter nach einem zuvor festge­legten Schlüssel aufge­teilt. Eine feste Vergü­tung vom Vermarkter an den Betreiber ist dabei nicht vorge­sehen. Der wirtschaft­liche Erfolg des Projekts hängt unmit­telbar von den Erlösen ab, die an den relevanten Strom­märkten erwirt­schaftet werden. Entwi­ckeln sich die Märkte positiv, können die Erträge deutlich über denen eines Tolling-Modells liegen. Fallen die Erlöse jedoch geringer aus als erwartet, trägt der Betreiber dieses Risiko entspre­chend mit. 

Profit-Share mit Floor bzw. Merchant with Floor

Merchant with Floor kombi­niert eine garan­tierte Mindest­ver­gü­tung (Floor) mit einer Betei­li­gung an den erzielten Erlösen. Dadurch bietet das Modell einen Mittelweg zwischen der Planungs­si­cher­heit eines Tolling Agree­ments und den Rendi­te­chancen eines Fully-Merchant-Modells.

Zusam­men­ge­fasst unter­scheiden sich die Modelle vor allem in der Vertei­lung von Risiko und Ertrags­chancen: Während das Tolling-Modell auf maximale Planbar­keit setzt, bieten Fully Merchant und Merchant with Floor eine stärkere Betei­li­gung an den tatsäch­li­chen Markt­erlösen, aller­dings um den Preis höherer Unsicherheit.

Was sind die Vor- und Nachteile beim Vergü­tungs­mo­dell Tolling?

Das Tolling Agree­ment bietet eine hohe Erlös- und Planungs­si­cher­heit, begrenzt jedoch die Teilnahme an zusätz­li­chen Markterlösen.

Tolling Agree­ment Vorteile

  • Hohe Planbar­keit der Erlöse
  • Geringes Markt- und Strompreisrisiko
  • Kann die Finan­zie­rung erleichtern
  • Stabile Cashflows durch Fixpreis
  • Gerin­gerer Vermark­tungs­auf­wand für den Betreiber

Tolling Agree­ment Nachteile

  • Begrenzte Betei­li­gung an Mehrerlösen
  • Langfris­tige Vertragsbindung
  • Weniger Flexi­bi­lität bei Marktentwicklungen
  • Abhän­gig­keit vom Vermarktungspartner
  • Verant­wor­tung für techni­schen Betrieb bleibt bestehen

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