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Residu­al­last

Lesezeit: 3 Minuten

Was ist Residuallast? 

Der Begriff Residu­al­last beschreibt den Teil des Strom­ver­brauchs in Deutsch­land, der nach Abzug der Einspei­sung von fluktu­ie­renden Erneu­er­baren Energien ins Strom­netz übrig ist. Es geht also um den Restbe­darf an Strom, der nicht durch Wind- und Solar­energie abgedeckt werden kann. Zu einem Großteil wird die Residu­al­last mithilfe der Leistung von konven­tio­nellen Energie­quellen gedeckt.

Wie wird die Residu­al­last berechnet? 

Die Residu­al­last hängt von zwei Faktoren ab: Der gesamt­deut­schen Nachfrage nach Strom und dem Anteil fluktu­ie­render Erneu­er­barer Energien am einge­speisten Strom. Zur Berech­nung der Residu­al­last kann daher die folgende Formel einge­setzt werden:

N (Nachfrage) – FEE (fluktu­ie­rende Erneu­er­bare Energien) = R (Residu­al­last).

Wann kommt es zu Schwan­kungen der Residuallast? 

Schwan­kungen der Residu­al­last können auf Schwan­kungen der beiden oben beschrie­benen Faktoren Nachfrage und Anteil der einge­speisten fluktu­ie­renden Erneu­er­baren Energien zurück­zu­führen sein. Eine beson­dere Rolle spielt dabei Strom aus erneu­er­baren Energie­quellen. An manchen Tagen ist keine Wolke am Himmel zu sehen, an anderen Tagen hält sich die Sonne eher bedeckt. So wechsel­haft wie das Wetter selbst, ist auch die Erzeu­gung von Erneu­er­baren Energien aus Wind und Sonne. Diese natur­gemäß starken Schwan­kungen wirken sich auf die Residu­al­last aus, welche im Tages­ver­lauf um bis zu 70 GW schwanken kann. 

Was passiert mit der Residu­al­last bei Erneu­er­baren Energien? 

Solange mehr Strom nachge­fragt wird, als durch Wind und Sonne produ­ziert werden kann, spricht man von einer positiven Residu­al­last. Ein Teil des Energie­be­darfs muss dann aus anderen Quellen gedeckt werden. Durch die im Zuge der Energie­wende anstei­gende Strom­erzeu­gung aus erneu­er­baren Energie­quellen kann es jedoch auch zu einer negativen Residu­al­last kommen. In diesem Fall wird mehr Wind- und Solar­strom produ­ziert, als der Markt benötigt. Der überschüs­sige Strom kann dann entweder in die Energie­spei­cher oder das (außer-) europäi­sche Ausland fließen. Ein gut funktio­nie­rendes, länder­über­grei­fendes Energie­system und der damit einher­ge­hende Ausbau des europäi­schen Strom­netzes sind zentral, um Unter- und Überpro­duk­tionen in verschie­denen Regionen auszu­glei­chen. Kann der überschüs­sige Strom nicht am Markt abgesetzt werden, müssen die Übertra­gungs­netz­be­treiber (ÜNB) in die Strom­pro­duk­tion eingreifen und sie in manchen Fällen sogar ganz stoppen. Der Strom ist dann nicht integrierbar.

Wie wird mit Schwan­kungen umgegangen? 

Der zuneh­mende Anteil Erneu­er­barer Energien stellt die Energie­welt somit vor einige Heraus­for­de­rungen. Trotz verstärkter Schwan­kungen der Residu­al­last muss der Ausgleich der Residu­al­last von den am Strom­netz betei­ligten Akteuren zwingend gewähr­leistet sein. Dazu bedient sich die Energie­welt verschie­dener Mecha­nismen, wie Speicher­tech­no­lo­gien, einem inter­na­tio­nalen Netzausbau und dem Erzeu­gungs­ma­nage­ment von Erneu­er­baren Energien.

Schwan­kungen im Strom­netz werden zunächst durch die Regel­en­ergie ausge­gli­chen, die als Reserve für eine stabile Strom­netz­fre­quenz von 50 Hertz sorgt. Die Regel­en­ergie gleicht nicht nur die Unter-, sondern auch die Überpro­duk­tion von Strom aus. Wird ein knappes Strom­an­gebot ausge­gli­chen, spricht man von positiver Regel­en­ergie, im Falle des Ausgleichs einer Überpro­duk­tion von negativer Regel­en­ergie. Dabei ist es notwendig, dass Strom gespei­chert wird, Kraft­werke herun­ter­ge­re­gelt werden oder allge­mein mehr Strom verbraucht wird. Die Energie­welt braucht daher Kraft­werke, die genau die benötigten Strom­mengen erzeugen und ins Netz einspeisen können. Die Kraft­werks­leis­tung muss flexibel und indivi­duell an die Wind- und Solar­strom­pro­duk­tion angepasst werden. Neben konven­tio­nellen Kraft­werken spielen hierbei auch dezen­trale Erneu­er­bare-Energie-Anlagen wie Bioen­ergie- oder Holzheiz­kraft­werke eine Rolle. Die Residu­al­last in Deutsch­land wird somit nicht allein von konven­tio­nellen Kraft­werken getragen.

Neben der flexi­blen Anpas­sung auf Seiten der Erzeuger, bietet auch Demand Side Manage­ment, die Anpas­sung des Strom­ver­brauchs, eine Möglich­keit, auf die schwan­kende Residu­al­last zu reagieren. Tradi­tio­nell passt sich in der Energie­welt die Angebots­seite den Verbrau­chern an. Anders­herum können aber auch Verbrau­cher auf das schwan­kende Energie­an­gebot reagieren. Im Zuge des Demand Side Manage­ment wird die Strom­nach­frage gezielt gesteuert, indem Lasten ab- und zugeschaltet werden. Bisher wird Demand Side Manage­ment vor allem in der Indus­trie angewendet.

Wie hat sich die Residu­al­last entwickelt? 

Mit dem Fortschreiten der Energie­wende wird immer mehr Strom aus erneu­er­baren Energie­quellen ins Strom­netz einge­speist. Der Anteil des aus Erneu­er­baren Energien erzeugten Stroms am Brutto­strom­ver­brauch in Deutsch­land steigt seit 1990 konti­nu­ier­lich an. Er ist von 3,4 Prozent im Jahr 1990 auf 6,3 Prozent im Jahr 2000 und 17 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. 2019 wurden schließ­lich 42,1 Prozent des Brutto­strom­ver­brauchs aus erneu­er­baren Energie­quellen gedeckt.

Mit der steigenden Leistung Erneu­er­barer Energien sinkt der Anteil der Residu­al­last. Dieser wird sich auch im weiteren Verlauf der Energie­wende nach und nach reduzieren, da immer mehr Wind- und Solar­strom einge­speist werden wird. Im Zuge dessen ist auch zuneh­mend mit Schwan­kungen der Residu­al­last und Überschuss­si­tua­tionen, die mit einer negativen Residu­al­last einher­gehen, zu rechnen. 

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Pierre Fees, Head of Sales 

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