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Bestands­an­lagen

Lesezeit: 4 Minuten

Was ist eine Bestandsanlage? 

Als Bestands­an­lage wird seit EEG 2014 eine Anlage bezeichnet, die vom momen­tanen Eigen­tümer bereits vor 2015 zur Eigen­erzeu­gung von Strom genutzt wurde. Konkret handelt es sich bei Bestands­an­lagen um Erzeu­gungs­an­lagen, die vom Letzt­ver­brau­cher als Eigen­erzeuger betrieben werden. Dabei ist es von zentraler Bedeu­tung, dass Strom hier in direktem räumli­chem Zusam­men­hang mit der erzeu­genden Anlage verbraucht wird oder eine Eigen­ver­sor­gung ohne Direkt­leis­tung und Anschluss an das öffent­liche Netz gewähr­leistet wird.

Eine Anlage, die einmal die Krite­rien für eine Bestands­an­lage erfüllt hat, behält weiterhin diesen Status, auch wenn diese z.B. in der Zwischen­zeit für die ausschließ­liche Dritt­be­lie­fe­rung einge­setzt werden würde. Grund­sätz­lich erfolgt die Eigen­ver­sor­gung via Bestands­an­lage zudem perso­nen­be­zogen. Wenn solch eine Anlage also veräu­ßert wird, geht im gleichen Zuge oftmals der Bestands­schutz verloren.

Anlagen dieser Art, die vor dem 01. August 2014 in Betrieb genommen wurden, kommt zugute, dass aufgrund von Bestands­schutz­re­ge­lungen deren EEG-Umlage entfallen kann. Falls die Bestands­an­lagen jedoch vor dem 01. Januar 2018 erneuert oder komplett ersetzt wurden, ist es für die Erhal­tung des Bestands­schutzes entschei­dend, dass sich deren Leistung nicht um mehr als 30% im Vergleich zur vor dem 01. August 2014 vorhan­denen Leistung erhöht hat. Wenn die Bestands­an­lage bis zu diesem Zeitpunkt erwei­tert wurde, fällt der Bestands­schutz vollständig weg.

Wie lange lebt eine Bestandsanlage?

Ähnlich wie bei anderen Gebrauchs­ge­gen­ständen, wie Autos oder Computer, kommt auch im Bereich der Erneu­er­baren Energien die Frage auf, wie lange Inves­ti­tionen für Wartungs- und Repara­tur­kosten angemessen sind und ab wann es sinnvoller ist, in eine leistungs­stär­kere und effizi­en­tere Neuan­lage zu inves­tieren. Anlagen­be­treiber müssen hier die aktuellen und erwar­teten Betriebs­kosten mit den Kosten für eine Neuan­lage abwägen und darauf basie­rend eine indivi­du­elle Entschei­dung treffen. Bei Photo­vol­ta­ik­an­lagen beläuft sich die “Lebens­dauer” dabei in der Regel auf einen Zeitraum zwischen 30 bis 40 Jahren - die Anlagen sind demnach norma­ler­weise auch nach Ende der 20 Jahre anhal­tenden EEG-Förde­rung noch leistungs­fähig, um ca. 10 bis 20 Jahre weiter Strom zu erzeugen. 

Wie viel kostet eine Bestandsanlage?

Photo­vol­ta­ik­an­lagen und Wasser­kraft­werke haben den Vorteil, dass die Inves­ti­ti­ons­kosten für Bestands­an­lagen inner­halb dieser Branchen nach den 20 Jahren in der EEG-Förde­rung abgeschrieben sind und nur mit geringen Betriebs­kosten zu rechnen ist. Diese vorteil­hafte Ausgangs­lage wird durch die Möglich­keit zum Eigen­ver­brauch bei Photo­vol­taik-Anlagen oder die Möglich­keit zur Direkt­ver­mark­tung an der Strom­börse weiter verstärkt. Der Betrieb von Biomas­se­an­lagen kommt im Gegen­satz dazu mit erheb­li­chen Betriebs­kosten einher, was insbe­son­dere auf den Einsatz von Bioen­er­gie­trä­gern zurück­zu­führen ist. Dabei ist es möglich, dass bereits vor Ende der EEG-Förde­rung Inves­ti­tionen getätigt werden müssen, um Anlagen­kom­po­nenten zu erneuern. Bei alten Windkraft­an­lagen muss ebenfalls mit beträcht­li­chen Betriebs­kosten gerechnet werden. Hinzu kommt, dass mit zuneh­mendem Alter der Anlagen höhere Kosten für Wartung, Reparatur etc. anfallen können. Studi­en­ergeb­nisse zeigen auf, dass die Betriebs­kosten zwischen 2,5 Cent bis 3,5 Cent pro kWh rangieren können in Abhän­gig­keit der Anlagen­größe und des Standortes. 

Macht die Direkt­ver­mark­tung für Bestands­an­lagen Sinn?

Für Bestands­an­lagen, die bereits vor dem Inkraft­treten des EEG 2014 geneh­migt und betrieben wurden, ist die Direkt­ver­mark­tung im Vergleich zu Neuan­lagen mit einer instal­lierten Leistung von 100 kW nicht verpflich­tend. Im Gegen­satz dazu ist die Direkt­ver­mark­tung Pflicht für Neuan­lagen mit einer instal­lierten Leistung, die größer als 100 kW ist. Anlagen­be­treiber, deren Anlagen aller­dings bereits vor dem 01. August 2014 in Betrieb genommen wurden, fallen unter den Bestands­schutz: Dabei haben sie die freie Wahl zwischen der festen EEG-Vergü­tung und der Vergü­tung nach Markt­prä­mi­en­mo­dell. Durch die Möglich­keit zum freiwil­ligen Wechsel in die Direkt­ver­mark­tung können die Bestands­an­lagen gemäß des Markt­prä­mi­en­mo­dells entlohnt werden.

Dabei liegt der Vorteil, der für einen freiwil­ligen Wechsel in die Direkt­ver­mark­tung spricht, auf der Hand: Das Markt­prä­mi­en­mo­dell setzt sich aus mehreren Kompo­nenten zusammen und garan­tiert dabei durch die Manage­ment­prämie Mehrerlöse. Die Kombi­na­tion aus der Höhe des durch­schnitt­li­chen monat­li­chen Markt­wertes an der Strom­börse zuzüg­lich der Markt­prämie entspricht hier immer genau der Höhe der Vergü­tung, die bei der fixen Einspei­se­ver­gü­tung anfällt. Zusätz­lich kommt bei Bestands­an­lagen die Manage­ment­prämie als Mehrerlös hinzu. Die Manage­ment­prämie gewähr­leistet, dass die monat­liche Vergü­tung mindes­tens in Höhe der EEG-Vergü­tung ausfällt bzw. in der Regel jedoch sogar darüber hinaus geht. Insge­samt können sich Anlagen­be­treiber also darauf verlassen, dass sie durch die Direkt­ver­mark­tung ihre Erlöse im Vergleich zur herkömm­li­chen EEG-Vergü­tung steigern.

Wenn dabei der produ­zierte Strom noch zu Spitzen­nach­fra­ge­zeiten oberhalb des durch­schnitt­li­chen monat­li­chen Markt­wertes verkauft wird, können deutliche mehr Gewinne im Vergleich zum fixen Vergü­tungs­mo­dell erzielt werden. In diesem Fall amorti­sieren sich aufkom­mende Kosten zur Umrüs­tung der Bestands­an­lagen, die bei einem Wechsel in die Direkt­ver­mark­tung entstehen können, beson­ders schnell.

Wenn sich die Betreiber von Bestands­an­lagen, die vor dem 01. Januar 2017 in Betrieb genommen wurden, also dazu entscheiden aus dem fixen Vergü­tungs­mo­dell nach dem EEG zum Markt­prä­mi­en­mo­dell zu wechseln, haben sie Anspruch auf die Zahlung der sog. optio­nalen Markt­prämie. Die Markt­prämie kann in diesem Zusam­men­hang als Ausgleich für die Diffe­renz angesehen werden, die zwischen der bishe­rigen gleich­blei­benden EEG-Vergü­tung und dem Markt­preis, welcher an der Strom­börse erreicht werden kann.

Was passiert nach dem EEG mit Bestandsanlagen?

Für Bestands­an­lagen gibt es nach dem Auslaufen der EEG-Förde­rung unter­schied­liche Möglich­keiten. So können diese zum einen weiter betrieben werden, wobei gesetz­liche und markt­be­dingte Rahmen­be­din­gungen vorab geklärt werden müssen. Zum anderen können Bestands­an­lagen leistungs­stärker gemacht werden, indem alte Module durch neue ersetzt werden. An dieser Stelle spricht man dann von einem sog. Repowering.

Des Weiteren kann auch die Direkt­ver­mark­tung des eigens produ­zierten Stroms aufgrund der damit einher­ge­henden Mehrerlöse eine sinnvolle Option darstellen. An dieser Stelle profi­tieren Anlagen­be­treiber, die recht­zeitig die Weichen für einen Wechsel in die Direkt­ver­mark­tung stellen: Um eine Vergü­tung für den eigens produ­zierten und einge­speisten Strom zu erhalten, ist es früher oder später bzw. mit nahendem Auslaufen der EEG-Förde­rung wichtig sich mit Direkt­ver­mark­tung ausein­an­der­zu­setzen. Durch einen frühzei­tigen Wechsel in die Direkt­ver­mark­tung vor dem Ende der Förde­rung, können sich Anlagen­be­treiber also optimal auf die Post EEG Zeit vorbereiten.

Welche Möglich­keit sich letzten Endes als am besten geeignet für eine Bestands­an­lage nach Auslaufen der Förde­rung erweist, muss dabei im Einzel­fall geprüft werden – nur so kann eine fundierte Entschei­dung zur weiteren Vorge­hens­weise getroffen werden.

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Pierre Fees, Head of Sales 

Pierre Fees

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Verena Dreher

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