Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG)

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Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Was ist das ?

Das Gesetz für den Ausbau erneu­er­barer Energien, kurz Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG), ist im Jahr 2000 erstmals in Kraft getreten. Seitdem wurde es immer wieder angepasst, zuletzt 2017. Es ist die zentrale Säule der Bundes­re­gie­rung, um die Energie­wende voran­zu­treiben, da es den Anteil erneu­er­barer Energie­quellen zur Strom­erzeu­gung in Deutsch­land steigert.

Kernstück des Gesetzes ist die garan­tierte Vergü­tung für den Ökostrom der Anlagen­be­treiber, sofern sie ihn ins öffent­liche Netz einspeisen. Strom­pro­du­zenten erhalten einen festge­legten Preis und damit Planungs­si­cher­heit über viele Jahre – eine Bedin­gung dafür, dass Inves­toren sich am Ausbau dieses Energie­be­reichs betei­ligen.

Um die EEG-Vergü­tung (Einspei­se­ver­gü­tung) zu finan­zieren, müssen Verbrau­cher einen Aufschlag auf den Strom­preis zahlen, die EEG-Umlage. Um das markt­ori­en­tierte Betreiben der Anlagen zu fördern – Strom soll dann produ­ziert werden, wenn er benötigt wird – wurde 2012 das Markt­prä­mi­en­mo­dell mit der EEG-Direkt­ver­mark­tung einge­führt.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Welche Energie­quellen werden geför­dert?

Energie­träger, die „unend­lich“ zur Verfü­gung stehen und sich sehr schnell erneuern, werden als erneu­er­bare oder auch regene­ra­tive Energien bezeichnet. Dazu zählen Bioen­ergie, Geothermie, Wasser­kraft, Sonnen­en­ergie und Windenergie. Damit unter­scheiden sie sich von fossilen Energie­quellen, die sich sehr langsam regene­rieren und auf endliche Ressourcen zurück­greifen. Erneu­er­bare Energien sind im Vergleich energie­ef­fi­zi­enter, d.h. die quanti­ta­tiven und quali­ta­tiven Verluste, die bei der Energie­ge­win­nung, ‑speiche­rung und dem ‑Trans­port entstehen, sind um ein Vielfa­ches geringer.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Ziele

Konkret ist das Ziel des Gesetzes, die Energie­ver­sor­gung umzubauen. So sollen bis zum Jahr 2025 40–45 Prozent des Strom­be­darfs in Deutsch­land über erneu­er­bare Energie­quellen gedeckt werden.

Bis 2035 sollen es 55–60 Prozent und bis 2050 gar 80 Prozent sein. Dies dient dem Klima- und Umwelt­schutz, indem fossile Energie­quellen reduziert werden und so eine Verrin­ge­rung des CO2-Ausstoßes angestrebt wird. Ebenso soll der techno­lo­gi­sche Fortschritt im Bereich der Erneu­er­baren Energien voran­ge­trieben werden.

Durch die Förde­rung von EE-Strom soll Deutsch­land unabhän­giger werden, denn bei Atom, Kohle und Gas muss der überwie­gende Teil der Brenn­stoffe aus dem Ausland impor­tiert werden.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Regelungen

Die Regelungen des EEG sollen Strom­erzeu­gern und Strom­netz­be­trei­bern finan­zi­elle Sicher­heit verschaffen. Wer mit seiner Anlage Strom aus erneu­er­baren Quellen produ­ziert und diesen ins Netz einspeist, erhält für 20 Jahre plus Inbetrieb­nahme-Jahr die sogenannte EEG-Vergü­tung. Ausschlag­ge­bend für die Höhe dieser Vergü­tung sind die Art der Strom­erzeu­gung, Standort und Größe der Anlage sowie der Zeitpunkt des Anschlusses an das Netz (je später, desto geringer die Vergü­tung). Die EEG-Vergü­tung liegt i.d.R. über dem Markt­preis für Strom und deckt somit die Kosten des Anlagen­be­trei­bers.

Diese Kosten werden durch einen Umlage­me­cha­nismus refinan­ziert, die so genannte EEG-Umlage. Diese ist Teil des Strom­preises und wird durch private und gewerb­liche Strom­ver­brau­cher gezahlt. Für beson­ders energie­in­ten­sive Betriebe gibt es jedoch Ausnah­me­re­ge­lungen: Strom­in­ten­sive Unter­nehmen des produ­zie­renden Gewerbes sowie Schie­nen­bahnen sind durch die beson­dere Ausgleichs­re­ge­lung im EEG zum Schutz ihrer Wettbe­werbs­fä­hig­keit von der EEG-Umlage teilweise befreit. Auch der Eigen­strom­ver­brauch von Kraft­werken (z.B. Kohle‑, Gas- oder Atomkraft­werken) ist von der EEG-Umlage befreit.

Das EEG beinhaltet darüber hinaus eine Anschluss- und Abnah­me­pflicht. Das bedeutet, dass die Strom­netz­be­treiber den Strom der EE-Anlagen­be­treiber in ihr Netz einspeisen und dafür eine EEG-Vergü­tung geben müssen. Ebenso haben Anlagen­be­treiber Anspruch auf Abnahme, Übertra­gung und Vertei­lung des gesamten zur Einspei­sung angebo­tenen EE-Stroms. Kann dieser Strom aller­dings nicht einge­speist werden, beispiels­weise weil der Netzbe­treiber den Anlagen­be­treiber aufgrund mangelnder Netzka­pa­zität oder ‑überlas­tung fernge­steuert herun­ter­fährt, steht dem Betreiber seit dem EEG 2009 eine Entschä­di­gung für die nicht einge­speiste Strom­menge zu, die sich an der sonstigen EEG-Vergü­tung orien­tiert.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Auswir­kungen

Bei der Einfüh­rung des Gesetzes im Jahr 2000 war die Energie­po­litik noch eine völlig andere. Das EEG wurde als ungewöhn­liche Maßnahme betrachtet, in der viele eine massive Gefähr­dung der wirtschaft­li­chen Leistungs­fä­hig­keit sahen. Tatsäch­lich rief es aber eine viel stärkere Entwick­lung der erneu­er­baren Energien hervor als andere Modelle. In der Konse­quenz wurden in vielen Ländern Förder­mo­delle nach dem Beispiel des EEG einge­richtet. Hierzu gehören auch Japan und China, weswegen das EEG langfristig auch global enorme Auswir­kungen haben wird. Zusätz­lich bieten sich der deutschen Indus­trie neue Export­chancen, weil die geför­derte Entwick­lung von EE-Techno­lo­gien einen Vorsprung auf dem Weltmarkt ermög­licht. Die wesent­li­chen Ziele des EEGs wurden erreicht: die Nutzung erneu­er­barer Energien wurde für den Massen­markt kompa­tibel gemacht. Eine „Neben­wir­kung“ der EEG-Förde­rung ist die Schaf­fung vieler Arbeits­plätze.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Zukunft – Post EEG

Am 01.01.2021 werden die ersten EEG-Anlagen den Anspruch auf die Zahlung der EEG-Vergü­tung verlieren. Die 20-jährige Vergü­tungs­phase endet schritt­weise für Bestands­an­lagen. 900.000 Anlagen werden von 2021 bis 2031 aus der EEG-Vergü­tung fallen. Das Ende der gesetz­li­chen Förde­rung wird in wenigen Jahren zu einer sinkenden EEG-Umlage führen. Gut für die Strom­kunden, doch was tun die Betreiber mit ihren EE-Anlagen? Eine Möglich­keit, die Anschluss­fi­nan­zie­rung und den Betrieb der Anlagen sicher­zu­stellen, sind sogenannte Power Purchase Agree­ments (PPA), auf Deutsch Strom­kauf­ver­träge. In diesen langfris­tigen Liefer­ver­trägen zwischen Strom­erzeuger und ‑verbrau­cher wird der Preis für die Abnah­me­menge festge­legt. So werden die Vermark­tungs­er­löse für den Betreiber abgesi­chert, damit die Finan­zie­rung der Anlage sowie deren Betrieb abgesi­chert werden kann. Des Weiteren können Energie­ver­sorger und ‑kunden gleicher­maßen von sogenannten Regional- oder Commu­ni­tystrom Modellen profi­tieren.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Direkt­ver­mark­tung

Ein weiterer Weg, um sich auf die nahende Post EEG Phase vorzu­be­reiten, bietet die EEG-Direkt­ver­mark­tung. Ursprüng­lich erhielt jeder Betreiber eine vorab festge­legte EEG-Vergü­tung. In der Strom Direkt­ver­mark­tung erhalten Anlagen, die freiwillig in die Direkt­ver­mark­tung wechseln den Markt­wert, der durch den Verkauf des Stroms an der Börse erzielt wird. Zudem die Markt­prämie, die die Diffe­renz zwischen ursprüng­li­cher EEG-Vergü­tung und dem Markt­wert ausgleicht. D.h. der Anlagen­be­treiber erhält die gleiche Vergü­tung wie zuvor plus die Manage­ment­prämie. Diese beträgt bei Photo­vol­taik und Windkraft 0,4 ct/kWh, bei Biomasse und Wasser­kraft 0,2 ct/kWh. Diese Zusatz­er­löse teilen sich der Direkt­ver­markter und der Anlagen­be­treiber.

Anlagen in der verpflich­tenden Direkt­ver­mark­tung erhalten auch 0,4 bzw. 0,2 ct/kWh mehr, als die ursprüng­lich vorge­se­hene EEG-Vergü­tung. Diese Diffe­renz nennt sich anzule­gender Wert und stellt die Integra­tion der Manage­ment­prämie in die Markt­prämie dar. D.h. die Manage­ment­prämie wird nicht mehr geson­dert ausge­wiesen, sondern ist in der Markt­prämie enthalten. Freiwillig oder verpflich­tend — durch die Direkt­ver­mark­tung erzielen Anlagen­be­treiber höhere Erlöse als durch die EEG-Vergü­tung. Gesetz­lich garan­tiert!

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Geschichte

Das Strom­ein­spei­sungs­ge­setz von 1990 verpflich­tete die Strom­ver­sorger erstmals dazu, Strom aus erneu­er­baren Energien abzunehmen. Seitdem wird in Deutsch­land die Erzeu­gung von erneu­er­barer Energie gesetz­lich weiter geför­dert. Im Jahr 2000 folgte das EEG mit dem Ziel, den noch jungen Techno­lo­gien wie Wind- und Sonnen­en­ergie durch feste Vergü­tungen und eine garan­tierte Abnahme den Markt­ein­tritt zu ermög­li­chen. Seitdem folgten mehrere Erneue­rungen. Bis 2009 wurden haupt­säch­lich die im vorigen genannten Ziele erneuert.

Dann kam die Novel­lie­rung der Ökostrom-Subven­tion, die Bewegung in den starren Strom­markt brachte: Mit dem EEG wurde 2012 die Direkt­ver­mark­tung von Strom ermög­licht, zunächst freiwillig, dann verpflich­tend. Seit 2016 müssen Neuan­lagen, die mehr als 100 kW produ­zieren, ihren Strom direkt an der Börse vermarkten – oder vermarkten lassen. Bestands­an­lagen mit einer Inbetrieb­nahme vor 2014 konnten entscheiden, ob sie ihren Strom freiwillig direkt vermarkten und so Zusatz­er­löse erzielen möchten. Obwohl von Direkt­ver­mark­tung gespro­chen wird, übernimmt kaum ein Anlagen­be­treiber den Handel an der Börse selbst. Vielmehr übertragen die Grünstrom­erzeuger diese Aufgabe an sogenannte Direkt­ver­markter, die sich mit Börsen­re­geln und Markt­pro­gnosen auskennen und sich außerdem auf den Strom­handel spezia­li­siert haben. Etabliert und bewährt hat sich die Direkt­ver­mark­tung nach dem Markt­prä­mi­en­mo­dell.

Im Zuge der EEG-Reform von 2014 wurde vorge­sehen, dass zukünftig zumin­dest für größere Anlagen das Ausschrei­bungs­mo­dell anstatt der bisher gültigen Einspei­se­ver­gü­tung verwendet werden soll. 2016 wurde vom Bundestag beschlossen, dass dies ab dem EEG 2017 tatsäch­lich gelten soll. Mit der jüngsten Überar­bei­tung des EEG im Jahr 2017 wurde schließ­lich Wettbe­werb beim Ausbau erneu­er­barer Energien verstärkt. Bislang galten für die Betreiber von Strom­erzeu­gungs­an­lagen feste Förder­sätze. Die Energie­wende soll mit zwei Neuerungen syste­ma­tisch weiter­ent­wi­ckelt werden:

Die Vergü­tung des EE-Stroms wird über Ausschrei­bungen geregelt. Damit wird die Höhe der Förde­rung vom Markt und nicht länger staat­lich festge­legt. Dies bedeutet, dass der Staat regel­mäßig Ausschrei­bungen organi­siert, bei denen neue Projekte in einem vorge­ge­benen Umfang (entspre­chend der politisch gewünschten Geschwin­dig­keit des Ausbaus) an die Anbieter vergeben werden, die dafür die geringste Vergü­tung verlangen. Dies gilt für die Bereiche Windenergie, Photo­vol­taik und Biomasse. Der EE-Ausbau wird mit dem Netzausbau synchro­ni­siert. Für jede Techno­logie werden bestimmte Ausbaumengen festge­legt, die auch den verfüg­baren Netzka­pa­zi­täten angepasst sind. Dazu wird der Ausbau der Windkraft an Land in Gebieten mit Netzeng­pässen beschränkt. Es werden Gebiete festge­legt, in denen der Ausbau der Windenergie auf 58% des durch­schnitt­li­chen Ausbaus der letzten drei Jahre begrenzt wird (Netzaus­bau­ge­biet) – solange, bis die Netze ausrei­chend ausge­baut sind. Dafür werden zusätz­liche Anlagen, die im Netzaus­bau­ge­biet nicht gebaut werden können, in anderen Teilen Deutsch­lands errichtet.

Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG): Entwick­lung der EEG-Umlage in Zahlen

Jahr
EEG-Umlage in Cent pro Kilowatt­stunde (ct/KWh)
2000
0,19*
2001
0,25*
2002
0,36*
2003
0,41*
2004
0,58
2005
0,68
2006
0,88
2007
1,02
2008
1,12
2009
1,13
2010
2,047
2011
3,53
2012
3,592
2013
5,277
2014
6,24
2015
6,17
2016
6,354
2017
6,88
2018
6,79
2019
6,405

* = nachträg­lich ermit­telte Kernum­lage)

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