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Photo­vol­taik Steuern sparen: Steuer­tipps für private PV-Betreiber

Lesezeit: 7 Minuten
Während es in Gewer­be­be­trieben steuer­recht­lich gesehen vergleichs­weise unkom­pli­ziert ist eine Photo­vol­taik-Anlage aufzu­nehmen, ergibt sich für Privat­haus­halte eine neue Situa­tion. Durch die Inbetrieb­nahme einer Photo­vol­taik-Anlage kann sich eine unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit ergeben, die für einen Privat­haus­halt eher untypisch ist. Dementspre­chend besteht Klärungs­be­darf zu diversen Fragen – im Inter­view mit Thomas Seltmann, einem unabhän­gigen Experten für Photo­vol­taik und Steuer-Angele­gen­heiten in dieser Branche, versu­chen wir einige dieser Fragen zu klären. 

Ist Photo­vol­taik ohne Finanzamt möglich?

In Kurzform kann ich sagen, dass man die Möglich­keit haben muss, die Klein­un­ter­nehmer-Regelung bei der Umsatz­steuer zu wählen. Außerdem muss man nachweisen, dass man keine Gewinn­erzie­lungs-Absicht verfolgt mit seiner PV-Anlage – das ist in der Regel bei neuen PV-Anlagen bis 10 kW der Fall. Wie ich vor kurzem erfahren habe, gibt es auch einen Antrag vom Bundesrat an den Bundestag zum neuen Jahres-Steuer­ge­setz, was dann ab nächstem Jahr gelten wird. Im Zuge dessen soll eine Regelung geschaffen werden, die dafür sorgt, dass kleine PV-Anlagen zukünftig nicht mehr in der Einkom­mens­steuer berück­sich­tigt werden müssen. Da ist aktuell also auf jeden Fall etwas in Bewegung und man kann dem Finanzamt-Sachbe­ar­beiter deshalb noch den Hinweis geben, das U- und das G‑Signal in der Steuer­ver­wal­tungs-Software des Finanz­amtes nicht zu setzen. Das wäre sozusagen die verwal­tungs­tech­ni­sche Umset­zung von „Photo­vol­taik ohne Finanzamt“. Zum Thema insge­samt gibt es auch einen ausführ­li­chen Artikel in meiner Steuer-Rubrik auf PV Magazine.

Was sind die Unter­schiede zwischen Photo­vol­taik Umsatz­steuer & Ertragssteuer?

Das ist die wichtigste Frage­stel­lung, die oft für Verwir­rung sorgt: Grund­le­gend gilt, dass es sich hierbei um zwei völlig verschie­dene Steuer­arten handelt, die nach einer unter­schied­li­chen Logik funktio­nieren. Was man norma­ler­weise kennt ist die Ertrags­steuer, sprich die Einkom­mens­steuer. Entschei­dend ist hier: Erziele ich einen Gewinn mit dem Strom­ver­kauf aus meiner PV-Anlage? Dann ist die Anlage ertrags­steu­er­lich relevant. Bei der Umsatz­steuer kommt es im Gegen­satz dazu eben nicht auf eine Gewinn­erzie­lungs-Absicht an. Die Umsatz­steuer ist grund­sätz­lich ein Thema, wenn man als selbst­stän­diger Unter­nehmer aktiv ist im Sinne von Dienst­leis­tungen oder Waren­ver­kauf. Hier müssen für den Umsatz bzw. die Einnahmen, die erzielt werden, Steuern an das Finanzamt abgeführt werden – diese werden dann üblicher­weise in die Verkaufs­preise einkal­ku­liert. Was Photo­vol­taik betrifft wird im EEG darauf hinge­wiesen, dass wenn man als umsatz­steu­er­pflichtig gilt, zusätz­lich zur Einspei­se­ver­gü­tung die Umsatz­steuer vom Netzbe­treiber kommt. Von der Umsatz­steu­er­pflicht kann man sich befreien lassen (Klein­un­ter­nehmer-Regelung), wenn man einen bestimmten Jahres­um­satz nicht überschreitet, nämlich 22.000 Euro. Bei der Ertrags­steuer gibt es so eine Regelung bisher nicht. 

Wie sind Photo­vol­taik Speicher zu versteuern?

Kurzge­fasst kann man sagen, dass ein Speicher in der Regel ja nicht dazu dient unter­neh­me­risch tätig zu sein, sondern für den privaten Eigen­ver­brauch verwendet wird. Wenn man den Speicher zusammen mit der PV-Anlage kauft, kann die Vorsteuer gezogen werden, wenn man umsatz­steu­er­pflichtig ist. Dann kann also der Umsatz­steuer-Vorteil geltend gemacht werden, der sich aus der Umsatz­steuer-Pflicht ergibt, wenn man eben auf die Klein­un­ter­nehmer-Regelung verzichtet. Bei der Ertrags­steuer ist es so, dass der Speicher – unabhängig davon wann man ihn gekauft hat – nur dann zur PV-Anlage zählt, wenn es ein DC-gekop­pelter Speicher ist. Grund­le­gend wird zwischen DC- und AC-gekop­pelten Speichern unter­schieden: DC steht für Gleich­strom (direct current), während AC sich auf Wechsel­strom bezieht (alter­na­ting current). Die DC-gekop­pelten Speicher werden an der Solar­seite an den Wechsel­richter der PV-Anlage angeschlossen und die AC-gekop­pelten Speicher sind im Gegen­satz dazu komplett abgetrennte Systeme, die einen eigenen Wechsel­richter haben und dadurch von der PV-Anlage elektro­tech­nisch gesehen erstmal unabhängig funkti­ons­fähig sind. Die Finanz­ver­wal­tung sieht diese Art deshalb als eigen­ständig an und zählt sie nur dann zur unter­neh­me­ri­schen Nutzung, wenn der Batte­rie­spei­cher selber unter­neh­me­risch genutzt wird. Momentan gibt es meines Wissens nach zwei Speicher-Anbieter, die so eine unter­neh­me­ri­sche Nutzung der Speicher eben auch ermög­li­chen. Hier geht es eben darum, dass ein Speicher Netzdienst­leis­tung macht und der Betreiber dafür eine Vergü­tung bekommt in Form von Geld oder Gratis-Strom. Dass die Kosten des Speichers steuer­lich geltend gemacht werden können setzt voraus, dass die PV-Anlage eine Gewinn­erzie­lungs-Absicht verfolgt. Wenn man keine Gewinn­erzie­lungs-Absicht hat, ist die Thematik ertrags­steu­er­lich irrele­vant; da passiert mit dem Speicher genauso wenig, wie mit der PV-Anlage. Auch dazu gibt es einen ausführ­li­chen Artikel mit einem Entschei­dungs-Baum als Grafik in meiner Steuer-Rubrik beim PV Magazine.

Ist Liebha­berei bei Photo­vol­taik Anlagen möglich?

Liebha­berei ist eine rein ertrags­steu­er­liche Bezeich­nung, wenn man keine Gewinn­erzie­lungs-Absicht verfolgt. Eine Gewinn­erzie­lungs-Absicht hat man eben dann, wenn die unter­neh­me­ri­schen Einnahmen aus der PV-Anlage durch den Strom­ver­kauf höher sind als die Kosten für Inves­ti­tion und Betrieb. Wenn das langfristig betrachtet über den Abschrei­bungs­zeit­raum der PV-Anlage nicht der Fall ist, dann hat man keine Gewinn­erzie­lungs-Absicht, sondern eine Liebha­berei. Bei der Umsatz­steuer gibt es eine ähnliche Begriff­lich­keit, hier spricht man dann von einer Klein­un­ter­nehmer-Regelung. Das hat aber wiederum nichts damit zu tun, ob man Gewinn oder Verlust macht; bei der Umsatz­steuer ist es eine reine Wahlmög­lich­keit, die man hat, wenn man weniger als 22.000 Euro Umsatz pro Jahr erwirt­schaftet. Bei kleinen Anlagen ist das der Fall. Entschei­dend ist dabei, dass man nicht noch zusätz­lich aus anderen Einkünften umsatz­steu­er­pflich­tige Umsätze erzielt, da diese sonst zusam­men­ge­rechnet werden müssen. Andern­falls könnte man eine andere Steuer­person wählen, die die Anlage betreibt, wie zum Beispiel den Ehegatten oder eine gemein­schaft­liche Form mit dem Ehegatten zusammen. 
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Wann lohnt sich eine Partner­schaft, um Photo­vol­taik Steuern zu reduzieren? 

Dazu kann keine allge­mein­gül­tige Aussage getroffen werden. Das muss immer im Einzel­fall betrachtet werden und mit einem Fachmann geklärt werden, um Fehler zu vermeiden. Dabei ist es wichtig, dass man sich die Steuer-Situa­tion im Gesamten anschaut, weil es auch unter­schied­liche gesetz­liche Rückwir­kungen gibt, die zum Teil auch über das Steuer­recht hinaus gehen. Betrachten wir den Fall, wenn ein Ehemann Hausmann ist und über die Familien-Kranken­ver­si­che­rung mitver­si­chert ist: Falls er einen Nebenjob ausübt und dabei die Grenze der zuläs­sigen Neben­ein­künfte von etwa 400 Euro voll ausschöpft, aber zusätz­lich noch Gewinne aus der PV-Anlage erzielt, dann kann es dazu kommen, dass er plötz­lich Kranken­ver­si­che­rungs-Beiträge bezahlen muss.

Wie ist der Photo­vol­taik Eigen­ver­brauch zu versteuern?

Wenn man umsatz­steu­er­pflichtig ist, muss man für den privaten Solar­strom-Verbrauch bzw. Eigen­ver­brauch aus der eigenen Anlage Umsatz­steuer in der Höhe bezahlen, die auch fällig wäre, wenn man die Kilowatt­stunde aus dem öffent­li­chen Netz einkaufen würde. Bei der Ertrags­steuer hat man verschie­dene Möglich­keiten diesen privaten Strom­ver­brauch als Entnahme aus dem „Unter­nehmen“ zu bewerten. Das Finanzamt betrachtet die PV-Anlage als Unter­nehmen sobald eine Gewinn­erzie­lungs-Absicht vorliegt. Wenn man aus dem eigenen Unter­nehmen etwas für private Zwecke heraus­zieht, dann muss man diese Kosten natür­lich ausglei­chen. Ansonsten würde man etwas von der Steuer absetzen, was eigent­lich privat verbraucht wird. Bei der Ertrags­steuer setzt man meistens nicht den Preis an, den man für den Strom­bezug bezahlt, sondern in der Regel die Selbst­kosten oder die Einspei­se­ver­gü­tung. Selbst­kosten bei kleinen Anlagen liegen in der Größen­ord­nung zwischen 7 bis 15 Cent pro kWh, je nachdem was die Anlage gekostet hat. Die Einspei­se­ver­gü­tung für Neuan­lagen liegt ebenfalls in der Größen­ord­nung bei knapp 9 Cent. Auch dazu gibt es weiter­füh­rende Infor­ma­tionen in meinen Artikeln bei PV Magazine.

Wie sind PV Anlagen in der Direkt­ver­mark­tung zu versteuern?

Grund­sätz­lich gilt bei der Strom Direkt­ver­mark­tung das gleiche Prinzip wie bei der Einspei­sung. Man erhält eine Vergü­tung und die daraus erzielten Gewinne müssen versteuert werden. Bei der Direkt­ver­mark­tung kommt hinzu, dass es unter­schied­liche Teile gibt: Zum einen den Teil, den man durch den Verkauf des Stroms durch den Direkt­ver­markter erhält und zum anderen den Teil durch die Markt­prämie, die eine Förde­rung ist. Nur der Vermark­tungs-Erlös unter­liegt der Umsatz­steuer, die man dann vom Direkt­ver­markter bekommt, wenn man selbst umsatz­steu­er­pflichtig ist. Das hat jedoch keine finan­zi­ellen Auswir­kungen, da die Umsatz­steuer – egal ob vom Netzbe­treiber oder vom Direkt­ver­markter – immer ein Durch­lauf­posten ist. Der eigent­lich inter­es­sante Aspekt bei der Umsatz­steuer-Pflicht ist die Rückerstat­tung der beim Kauf der Anlage bezahlten Mehrwert­steuer an den Instal­la­teur. Das heißt, man hat einen Vorteil beim Anlagen-Kauf und keinen Nachteil beim Strom-Verkauf. Der einzige Nachteil ist der, dass man beim privaten Eigen­ver­brauch Umsatz­steuer abführen muss. Wenn sich ein privater Anlagen­be­treiber zu Beginn umsatz­steu­er­pflichtig meldet, um diesen Vorteil zu nutzen, wird empfohlen nach fünf Jahren zu prüfen, ob man in die Klein­un­ter­nehmer-Regelung wechseln kann und sollte. Nach einem bestimmten Zeitraum ist dieser Wechsel möglich und dann muss man auch für den privaten Eigen­ver­brauch keine Umsatz­steuer mehr bezahlen. Der Vorteil der Umsatz­steu­er­pflicht beim Anlagen­kauf ist bei kleinen Anlagen mittler­weile jedoch nicht mehr sonder­lich groß, weil die Anlagen nicht mehr so teuer sind. Ein wenig anders ist das bei Anlagen mit Batte­rie­spei­cher, wenn beides gemeinsam gekauft wird.

Was ist bei Photo­vol­taik Steuern nach Auslauf der EEG-Förde­rung zu beachten?

Das kann so einfach bzw. pauschal nicht beant­wortet werden, da es unter anderem auch davon abhängig ist, welche Regelungen der Bundestag im Zuge der geplanten Geset­zes­än­de­rung demnächst beschließen wird. Hier muss dann auch im indivi­du­ellen Fall geprüft werden was für die Post EEG Zeit sinnvoll ist. Wenn man möchte, kann man in der Umsatz­steuer bleiben, je nachdem ob bspw. noch Wartungs­kosten anfallen oder ob man noch Geld inves­tiert für die Umrüs­tung der Anlage. Das ist aber nur relevant, wenn man weiter mit der eigenen Anlage in das Netz einspeisen will. Auch für die kleineren Anlagen soll es demnächst eine Regelung dafür geben. Bei den größeren Anlagen wird das vermut­lich mithilfe der Direkt­ver­mark­tung geregelt werden. In dem Fall hat man weiterhin Einkünfte und ggf. auch Gewinne, wenn die Erträge höher als die Betriebs­kosten sind. Wenn die Umsätze entspre­chend klein sind, kann man auch hier in die Klein­un­ter­nehmer-Regelung wechseln. Bei der Ertrags­steuer ist entschei­dend, ob man weiterhin eine Gewinn­erzie­lungs-Absicht verfolgt oder nicht. Dabei kann man auch erst einmal abwarten und schauen, ob steuer­liche Verluste entstehen und dann mit dem Finanzamt klären, ob hier überhaupt noch eine Gewinn­erzie­lungs-Absicht besteht. Ansonsten kann die Anlage aus ertrags­steu­er­li­cher Sicht­weise auch zur Liebha­berei werden, wodurch keine ausführ­li­chen Steuer­erklä­rungen mehr zu bringen sind.

Wo gibt es weitere Infor­ma­tionen zu Photo­vol­taik Steuern?

Leider finden sich im Internet zu dem Thema viele halbrich­tige, unvoll­stän­dige und irrefüh­rende Hinweise und Tipps. Man kann dadurch in Fallen tappen, die viel Geld kosten. In der Themen-Rubrik Steuer­tipps bei PV Magazine wollen wir dagegen möglichst fehler­freie und von Fachleuten geprüfte Infor­ma­tionen zur Verfü­gung stellen. Es gibt außerdem von der Finanz­ver­wal­tung Bayern ein sehr umfang­rei­ches Dokument, was kostenlos zum Download bereit­ge­stellt wird. Um einen kompri­mierten Überblick zu erhalten, lohnt es sich auch einen Blick in das Info-Blatt vom Solar­cluster Baden-Württem­berg zu werfen. Die Finanz­ver­wal­tung Baden-Württem­berg hat in diesem Jahr auch eine Broschüre zum Thema veröf­fent­licht. Abgesehen davon empfiehlt es sich auch bei der Suche nach einem Steuer­be­rater darauf zu achten, inwie­weit sich dieser mit der Thematik auskennt. Deshalb ist es sinnvoll in Erfah­rung zu bringen, ob der Steuer­be­rater selbst eine Photo­vol­taik-Anlage besitzt oder sich in einem Fach-Seminar bereits damit beschäf­tigt hat. Viele Steuer­be­rater-Akade­mien und die Firma Steuer­se­mi­nare Graf bieten solche spezi­ellen Fortbil­dungen an.

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Verena Dreher

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