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Photo­vol­ta­ik­an­lage & Steuer: Alles über Steuern bei PV-Anlagen

Lesezeit: 6 Minuten

Betreiber einer Photo­vol­ta­ik­an­lage (PV) haben sich bewusst für die Energie­wende entschieden. Damit wird nicht nur die Umwelt geschützt, langfristig betrachtet sind PV-Anlagen günstiger. Zwar sind die Inves­ti­ti­ons­kosten anfangs hoch, aber diese amorti­sieren sich nach ein paar Jahren wieder. Das Erneu­er­bare-Energien-Gesetz (EEG) besagt, dass dieje­nigen einen Anspruch auf die Einspei­se­ver­gü­tung haben, welche ihren Solar­strom ins Strom­netz einspeisen. Wenn diese Anlagen­be­treiber ihre PV-Anlage spätes­tens im Folge­monat der Inbetrieb­nahme bei der Bundes­netz­agentur anmelden und pro Jahr die einge­speiste Strom­menge dem Netzbe­treiber vorlegen, haben sie einen Anspruch auf die Vergü­tung, welche – inklu­sive des Inbetrieb­nah­me­jahrs – 21 Jahre lang gilt (§19 I EEG, §25 EEG). Als Alter­na­tive zur Einspei­se­ver­gü­tung können Anlagen­be­sitzer ihre PV-Anlage in die Strom Direkt­ver­mark­tung anmelden und bekommen zusätz­lich die Markt­prämie ausge­zahlt (§20 EEG). Der in der Direkt­ver­mark­tung erwirt­schaf­tete Gesamt­wert kann die Einspei­se­ver­gü­tung übersteigen – somit hat der Anlagen­be­treiber einen Mehrerlös.

Aber auch in Sachen Steuern können Sie als PV-Anlagen-Besitzer sparen: Wussten Sie, dass Sie als Anlagen­be­sitzer zum Unter­nehmer und damit steuer­pflichtig werden, sobald Sie Ihren eigen erzeugten Strom verkaufen? Welche Steuern auf Sie zukommen, wie Sie effizient sparen können und welchen Einfluss die Steuern auf die Amorti­sie­rung Ihrer PV-Anlage haben, erklären wir in diesem Beitrag.

Welche Steuern fallen bei PV-Anlagen an?

Folgende Steuern werden auf unter­neh­me­ri­sche Tätig­keiten erhoben:

  • Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer
  • Einkom­mens­steuer
  • Gewer­be­steuer

Besitzen Sie eine PV-Anlage und verkaufen den selbst erzeugten Strom, müssen Sie sich beim Finanzamt anmelden und auf den verkauften Strom die Einkom­mens- und in der Regel auch die Umsatz­steuer zahlen. Die sogenannte Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung ermög­licht eine Befreiung der Umsatz­steu­er­pflicht. Diese tritt jedoch unter bestimmten Bedin­gungen in Kraft. Die Gewer­be­steuer kann bereits verpflich­tend sein, wenn Sie eine PV-Anlage mit einer Nennleis­tung größer 10 kW haben.

Photo­vol­taik Umsatz­steuer

Die Umsatz­steuer oder auch Mehrwert­steuer beträgt immer 19% und ist dann für Anlagen­be­treiber fällig, wenn diese den von ihrer Photo­vol­ta­ik­an­lage erzeugten Strom komplett oder anteilig, aber immer regel­mäßig ins Strom­netz einspeisen. Dabei zahlt der Anlagen­be­sitzer die Umsatz­steuer nicht nur auf den verkauften Strom, sondern auch auf den selbst verbrauchten Solar­strom. Am Ende eines Kalen­der­jahres wird die Umsatz­steu­er­erklä­rung jährlich an das Finanzamt abgegeben. In den ersten beiden Jahren erfolgt eine Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung, die der Anlagen­be­treiber monat­lich an das Finanzamt schickt – diese Regelung wird jedoch ab 2021 ausge­setzt.

Gilt eine beson­dere Regelung für die Photo­vol­taik Steuer bei Klein­un­ter­neh­mern?

Lag der mit der PV-Anlage erzielte Umsatz im Vorjahr unter 22.000 € und übersteigt der Umsatz in den Folge­jahren nicht die Grenze von 50.000 €, können Anlagen­be­treiber den Status als Klein­un­ter­nehmer wahrnehmen. Bis 2019 lag die Umsatz­grenze bei 17.500 €, um von der Klein­un­ter­neh­mer­regel profi­tieren zu können. Dann sind sie von der Umsatz­steu­er­pflicht befreit. Diese sogenannte Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung gilt für die nächsten fünf Jahre.
Schlägt der Anlagen­be­treiber die Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung aus, muss Umsatz­steuer gezahlt werden, sowohl auf den verkauften als auch auf den verbrauchten Solar­strom. Erst nach einer Frist von fünf Jahren kann der Besitzer einer Aufdach­an­lage zum Status als Klein­un­ter­nehmer wechseln.

Sinnvoll ist, insge­samt mindes­tens sechs Jahre zu warten und erst dann zu wechseln. So kann das Finanzamt vorher geltend gemachte Vorsteuer nicht zurück­ver­langen. Der Berich­ti­gungs­zeit­raum, in dem das Finanzamt bei PV-Anlagen auf dem Dach den bewil­ligten Vorsteu­er­abzug korri­gieren und Geld zurück­ver­langen kann, endet erst nach den vollen fünf Jahren.

Bei Indach­an­lagen dauert es sogar volle 10 Jahre ab dem Inbetrieb­nah­me­jahr. Das bedeutet bei Indach­an­lagen ist es sinnvoll, 11 Jahre zu warten und dann zum Klein­un­ter­nehmer zu wechseln, wenn die Umsatz­grenze einge­halten wird.

Welche Vorteile hat die Umsatz­steuer für Photo­vol­ta­ik­an­lagen?

Die Umsatz­steu­er­pflicht kann sich lohnen, da sich die Vorsteuer geltend machen lässt. Das bedeutet, dass die gezahlte Mehrwert­steuer, welche bei Planung, Kauf und Instal­la­tion angefallen ist, wieder beim Finanzamt zurück­ge­holt werden kann. Auch Ausgaben für die Anlagen­über­wa­chung, den Strom­zähler und Wartungen beinhalten eine Mehrwert­steuer, die als Vorsteuer geltend gemacht werden kann.

Das betrifft sowohl alte als auch neu instal­lierte PV-Anlagen. Je mehr der produ­zierte Strom ins Strom­netz einge­speist bzw. verkauft wird, desto mehr rechnet sich die Umsatz­steu­er­pflicht. Die Vorsteuer verrechnet sich nämlich mit der Umsatz­steuer, die der Anlagen­be­treiber zahlt. Auf die Erlöse, die beim Strom­ver­kauf wie etwa bei der Direkt­ver­mark­tung zustande kommen, wird die Umsatz­steuer gegen­über dem Netzbe­treiber erhoben und an das Finanzamt weiter­ge­geben. Die Umsatz­steuer auf den Eigen­ver­brauch kann nicht erstattet werden.

Die Umsatz­steu­er­pflicht ist dann lukrativ, wenn der Anlagen­be­sitzer sich die Umsatz­steuer auf den Anschaf­fungs­preis zurück­holt.

Wie sieht die Umsatz­steuer bei Eigen­ver­brauch aus?

Nutzt der Anlagen­be­treiber den erzeugten Strom aus der PV- Anlage allein für den Eigen­ver­brauch, muss er keine Umsatz­steuer zahlen. Wenn er aber einen Teil des selbst erzeugten Solar­stroms verkauft, muss er nicht nur auf den verkauften Strom Umsatz­steuer zahlen.

Bei PV-Anlagen bis 10 kW Leistung sind zwei Werte im Kalen­der­jahr zu messen: Der Wert des Stroms, welches über den Einspei­se­zähler in das Strom­netz einge­speist wurde (Wert A) und die Summe der erzeugten Strom­menge vom Wechsel­richter (Wert B). Der Eigen­ver­brauch errechnet sich aus Diffe­renz von Wert A – Wert B, auf den der Umsatz­steu­er­satz von 19 % dazukommt.

Wie funktio­niert die Photo­vol­ta­ik­an­lage Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung?

Ab Inbetrieb­nahme der PV-Anlage ist der Anlagen­be­treiber dazu verpflichtet, in den ersten beiden Jahren eine Umsatz­vor­steu­er­an­mel­dung zu machen. Diese wird monat­lich an das Finanzamt weiter­ge­reicht.

In dieses Formular wird einge­tragen, welche Umsatz­steuer bzw. Mehrwert­steuer für den Betrieb der Anlage gezahlt wurde. Die Voranmel­dung muss spätes­tens am 10. Tag des Folge­mo­nats einge­reicht werden.
Auch wenn der Anlagen­be­treiber mit seiner Anlage keinen Gewinn heraus­schlagen konnte, muss eine Umsatz­vor­steu­er­an­mel­dung gemacht werden.

Der Inhalt der Umsatz­vor­steu­er­an­mel­dung umfasst:

  • Die Steuer­nummer, die vom Finanzamt mitge­teilt wurde
  • Name und Adresse des Unter­neh­mers bzw. des Anlagen­be­trei­bers
  • Für den gültigen Zeitraum werden alle Einnahmen, die mit der PV-Anlage erwirt­schaftet wurden, einge­tragen (auch die Einspei­se­ver­gü­tung abzüg­lich der Umsatz­steuer)
  • Die Vorsteuern werden nun den Einnahmen gegen­über­ge­stellt (die Umsatz­steu­er­be­träge aus der Planung, Anschaf­fung, Instal­la­tion und Wartung, etc.)

Zusätz­lich wird am Ende des Kalen­der­jahres eine Umsatz­steu­er­erklä­rung abgegeben. Diese beinhaltet alle umsatz­steu­er­pflich­tigen Beträge und Vorsteu­er­leis­tungen inner­halb des Kalen­der­jahres.

Photo­vol­taik Einkom­mens­steuer

Ob Einspei­se­ver­gü­tung, direktes Geld von Verbrau­chern oder Markt­prämie dank Direkt­ver­mark­tung – die Erlöse, die beim Verkauf von Solar­strom erzielt werden und gewinn­brin­gend sind, unter­liegen der Einkom­mens­steuer. Das bedeutet, dass zunächst eine Gewinn­ermitt­lung statt­finden muss, auf die dann die Steuer gezahlt wird. Wenn der Anlagen­be­treiber den Solar­strom teilweise selbst verbraucht, wird der Aufwand für den privat entnom­menen Solar­strom in der Gewinn­ermitt­lung neutra­li­siert.

Ab wann gilt die Photo­vol­taik Einkom­mens­steuer?

Ist der Gewinn aus der PV-Anlage niedriger als 410 € im Jahr, gilt laut Finanztip der sogenannte Härteaus­gleich und die Einkom­mens­steuer entfällt. Hat der Anlagen­be­treiber einen Gewinn von bis zu 810 € im Jahr erwirt­schaftet, ist eine teilweise Einkom­mens­steuer zu zahlen. Das gilt dann, wenn die PV-Anlage neben­be­ruf­lich betrieben wird. Arbeitet der Anlagen­be­treiber zusätz­lich neben­be­ruf­lich, werden die Gewinne aus den verschie­denen Arbeits­be­rei­chen zusam­men­ge­fasst.

Wenn der Anlagen­be­treiber dem Finanzamt mitteilt, die Photo­vol­ta­ik­an­lage wird als Liebha­berei betrieben, entfällt die Einkom­mens­steuer. Eine Liebha­berei ist dann greifend, wenn langfristig kein Gewinn erzielt wurde bzw. wenn die Betriebs­kosten relativ hoch sind und der erzeugte Strom größten­teils für den Eigen­ver­brauch genutzt wird.

Wie wird die Einkom­mens­steuer für PV-Anlagen abgeführt?

Der Anlagen­be­treiber gibt in seine Einkom­mens­steu­er­erklä­rung alle Einkünfte ein.
PV-Anlagen werden pro Jahr mit 5 Prozent über 20 Jahre abgeschrieben. Dafür wird der Anschaf­fungs­wert (netto) durch die Anzahl der Betriebs­jahre (20 Jahre) geteilt. Der resul­tie­rende Wert wird als „Abset­zung für Abnut­zung“ kurz AfA – einge­tragen. Der sogenannte Inves­ti­ti­ons­abzug ist, im Gegen­satz zur AfA, eine Form der Sonder­ab­schrei­bung. Dieser erlaubt vor allem kleinen und mittleren Betriebe 40 Prozent der Anschaf­fungs­kosten auf einmal abzuschreiben. Die Ausgaben dürfen bis zu 200.000 € hoch sein. Die anderen 60 % werden dann wie gewohnt jährlich als AfA abgeschrieben.

Photo­vol­taik Gewer­be­steuer

Wird der produ­zierte Strom aus der PV-Anlage in das öffent­liche Strom­netz einge­speist, wird er dabei an den Netzbe­treiber verkauft – es handelt sich demnach um eine gewerb­liche Tätig­keit. Ist die PV-Anlage aber kleiner als 10 kW, ist man seit 2020 nach §3 Punkt 3 GewStG von der Gewer­be­steuer befreit. Diese Befreiung ist auch für das Jahr 2019 wirksam. Hat die Photo­vol­ta­ik­an­lage jedoch eine Leistung größer 10 kW und bringt jährlich einen Überschuss von über 24.500 €, ist die Freigrenze für die Gewer­be­steuer überschritten. Das ist vor allem bei großen PV-Anlagen und Solar­parks der Fall.

Welche Kosten bzw. Steuern kann ich bei meiner Photo­vol­ta­ik­an­lage absetzen, um Steuer­last zu reduzieren?

Sowohl die Betriebs­kosten als auch die Wartung und die Anschaf­fungs­kosten können abgesetzt werden. Die für den laufenden Betrieb der PV-Anlage anfal­lenden Kosten können direkt als Betriebs­aus­gaben steuer­lich abgesetzt werden.
Diese sind:

  • Kredit­zinsen
  • PV Versi­che­rungs­bei­träge
  • Kosten des Strom­zäh­lers, etc.

Die Umsatz­steuer, welche bei dem Kauf der PV-Anlage gezahlt wurde, kann zurück­er­stattet werden. Dafür muss die PV-Anlage der Regel­be­steue­rung unter­liegen, also es muss Umsatz­steuer auf den verkauften und verbrauchten Strom gezahlt werden.

Die gesamten Anschaf­fungs­kosten für den Bau der PV-Anlage und die dazuge­hö­rigen Ausgaben wie beispiels­weise die Montage und den Kauf von zusätz­li­chen Geräten, usw. lassen sich als AfA abschreiben. Ein Tipp: Je früher der Anlagen­be­treiber mit der Abschrei­bung der PV-Anlage beginnt, also am besten direkt ab Anschaf­fung der Anlage, desto früher rentieren sich die Steuer­erspar­nisse.

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Nareh Khoorshidian

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