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So steigern Großbat­te­rie­spei­cher mit Multi-Market-Ansatz die Erlöse im Stromhandel

Lesezeit: 5 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Batte­rie­spei­cher können flexibel und parallel auf verschie­denen Strom­märkten einge­setzt werden. Sie ermög­li­chen den Energie­handel, also den Kauf und Verkauf von Strom: Bei niedrigen Preisen wird Strom bezogen und gespei­chert, bei hohen Preisen wird er in das Netz einge­speist oder auf verschie­denen Märkten verkauft. Die Teilnahme an mehreren Märkten und deren erlös­op­ti­male Nutzung über diese verschie­denen Märkte wird als Multi-Market-Ansatz bezeichnet. Ziel ist es, den Speicher so einzu­setzen, dass er zu jedem Zeitpunkt den maximal mögli­chen Erlös erwirt­schaftet. Diese konti­nu­ier­liche Optimie­rung über die verschie­denen Märkte hinweg, basie­rend auf Preis­pro­gnosen und Order­buch­daten, erfolgt mithilfe intel­li­genter Algorithmen. Wie dieser Prozess der Multi-Market-Optimie­rung im Detail funktio­niert, wird im Beitrag näher erläutert.

Auf welchen Märkten findet Strom­handel mit Batte­rie­spei­cher­sys­temen statt? 

In Deutsch­land können Batte­rie­spei­cher­sys­teme (BESS) auf verschie­denen Strom­märkten genutzt werden. Beson­ders relevant sind Regel­en­er­gie­märktewie der Primär- (PRL) und der Sekun­där­re­gel­en­er­gie­markt (SRL), auf denen Strom bereit­ge­stellt wird, um die Netzfre­quenz stabil zu halten. Da die Regelenergiemärkte jedoch durch ihre begrenzte Größe und zuneh­mende Sätti­gung weniger attraktiv werden, verla­gert sich der Einsatz von Großbat­te­rie­spei­chern zuneh­mend auf die Spotmärkte. Dort findet der kurzfris­tige Handel statt, insbe­son­dere auf der Day-Ahead-Auktion (DA) mit dem größten Handels­vo­lumen, der Intraday-Auktion (IDA1) und dem konti­nu­ier­li­chen Intraday-Handel (IDcont). Die jewei­ligen Auktionen finden zu unter­schied­li­chen Zeiten statt:

Am Vortag (D-1): 

  • PRL-Leistungs­auk­tion: um 8 Uhr (für alle 4-Stunden-Produkte des Folge­tages) 
  • SRL-Leistungs­auk­tion: um 9 Uhr (für alle 4-Stunden-Produkte des Folge­tages) 
  • Day-Ahead-Auktion: um 12 Uhr (seit 01.10.2025 für alle Viertel­stun­den­pro­dukte des Folge­tages) 
  • Intraday-Auktion IDA1: um 15 Uhr (für alle Viertel­stun­den­pro­dukte des Folge­tages) 

Am Ausfüh­rungstag (D): 

  • Konti­nu­ier­li­cher Intraday-Markt: Handel/Gebote bis 5 Minuten vor Liefer­zeit­punkt der jewei­ligen Viertel­stunde möglich 
  • SRL-Arbeits­markt: Handel/Gebote bis 25 Minuten vor Liefer­zeit­punkt der jewei­ligen Viertel­stunde möglich 

Wie funktio­niert die Multi-Market-Optimierung? 

Wie oben ausge­führt, geht es beim Strom­handel – neben den Zielen, den Strom­be­darf zu decken und eine stabile Versor­gung sicher­zu­stellen – auch darum, Erlöse durch Preis­un­ter­schiede zu erzielen (Arbitrage). Für Vermarkter von Batte­rie­spei­chern bedeutet das: Sie müssen unter Berück­sich­ti­gung des Zusam­men­spiels der verfüg­baren Handels­mög­lich­keiten mittels Algorithmen täglich und auch unter­tägig strate­gi­sche Entschei­dungen treffen, wann und auf welchem Markt sie wie viel Leistung anbieten. Dabei läuft dieser Entschei­dungs­pro­zess grund­sätz­lich in den folgenden Schritten ab: Anhand von Preis­pro­gnosen wird ermit­telt, welche Erlöse bei einem Einsatz des Speichers auf den einzelnen Märkten erwartbar erzielt werden können. Diese erwart­baren Erlöse der jewei­ligen Märkte werden mithilfe von Algorithmen konti­nu­ier­lich vergli­chen. Basie­rend auf diesen Prognosen werden dann die Gebote für die einzelnen Märkte abgegeben (vgl. untere Abbil­dung, Schritt 1). Anschlie­ßend wird geprüft, wie durch den Kauf und Verkauf von Strom diese Positionen im laufenden Handel optimiert werden können. Die Optimie­rung erfolgt dabei mithilfe intel­li­genter Algorithmen, die DA-, ID-, PRL und SRL-Preise sowie techni­sche Parameter des Batte­rie­spei­cher­sys­tems (wie z. B. State of Charge, zuläs­sige Zyklen­zahl, Depth of Discharge usw.) berück­sich­tigen. Das heißt, auf dieser Grund­lage werden die optimalen Gebote berechnet, automa­tisch an die jewei­ligen Börsen platziert und fortlau­fend nachop­ti­miert. Das Ergebnis ist ein sich konti­nu­ier­lich ändernder, über die verschie­denen Märkte allokierter Fahrplan (vgl. untere Abbil­dung, Schritte 2 und 3). Ausführ­lich lautet die schritt­weise Optimie­rung über die verschie­denen Märkte: 

Schritt 1: Erlöser­war­tung für die einzelnen Märkte vergleichen

Zunächst werden die Märkte mitein­ander vergli­chen: Ein Gebot in einem Markt wird ausschließ­lich dann abgegeben, wenn der erwart­bare Erlös den des zeitlich nachfol­genden Marktes (vgl. Zeitpunkte oben) übersteigt. Die Algorithmen nutzen dabei unter anderem Speicher- und Markt­daten und treffen Entschei­dungen basie­rend auf Oppor­tu­ni­täts­kosten. Wird der Speicher für einen bestimmten Zeitraum auf einem Markt einge­setzt (z. B. am Folgetag von 08:00 bis 12:00 Uhr), steht er mit der Leistung im selben Zeitraum an anderen Märkten nicht mehr zur Verfü­gung, das heißt, er ist für die anderen Märkte für diesen Zeitraum somitgeblockt. 

Schritt 2: Handels­po­si­tion einloggen 

Wird ein Produkt erfolg­reich gehan­deltalso in den Auktionen verkauft, wird diese Handelsposition ‘eingeloggt’Das bedeutet, es entsteht ein verbind­li­ches Liefer­ver­spre­chen, bei dem sich der Vermarkter verpflichtet, zu einem festge­legten Zeitpunkt eine definierte Energie­menge bereit­zu­stellen oder abzunehmen.  

Schritt 3: Handels­po­si­tion optimieren 

Bis zur Erfül­lung des Liefer­ver­spre­chens, also bis die Liefe­rung erfolgen muss, lässt sich die einge­loggte Position durch den Vermarkter positiv beein­flussen. Die Erfül­lung der einge­tra­genen Positionen des Fahrplans kann hierbei durch gezielte Kauf- und Verkaufs­ge­schäfte weiter optimiert werden (vgl. untere Abbil­dung). Diese Nachop­ti­mie­rung umfasst sowohl Inter­market- als auch Intra­market-Optimie­rung: 

  • Inter­market-Optimie­rung: z. B. Kauf- und Verkaufs­po­si­tionen am IDcont werden genutzt, um die DA-Position zu erfüllen, wenn die Preise am IDcont attrak­tiver sind.
  • Intra­market-Optimie­rung: Mehrfa­ches Handeln derselben Viertel­stunde am ID(cont) (Asset-backed Trading) 

Diese Optimie­rung erfolgt immer sequen­ziellIntel­li­gente Algorithmen analy­sieren konti­nu­ier­lich die Daten, wie die Handels­preise und BESS-Parameter, z. B. verfüg­bare Batte­rie­leis­tung und -kapazität (Input) und nutzen dabei Preis­pro­gnosen bzw. Echtzeit-Order­buch­daten (beim ID(cont))um heraus­zu­finden, wo durch Kauf- und Verkaufs­trans­ak­tionen eine Optimie­rung erreicht werden kann. Als Output geben die Algorithmen den optimalen Fahrplan aus. 

Was bedeutet Virtual Cycling? 

Im Arbitra­ge­handel werden also viele Kauf- und Verkaufs­ge­schäfte getätigt, um gezielt Preis­un­ter­schiede zwischen Märkten auszu­nutzen, ohne dass der Batte­rie­spei­cher dabei physisch beansprucht wird. Zugleich führt die ständige Optimie­rung zu einem großen Handels­vo­lumen (vgl. Balken in der unteren Abbil­dung, die die gesamten Handels­ak­ti­vi­täten darstellen). Dadurch entsteht ein deutlich größeres virtuell gehan­deltes als physisch gehan­deltes Volumen (vgl. blau markierte Linie der Abbil­dung). Durch den Kauf und Verkauf gleicher Energie­mengen inner­halb eines bestimmten Zeitraums muss die Batterie nicht geladen oder entladen werden. Diese Art von Handels­zy­klen nennt man virtu­elle Zyklen. Auf diese Weise werden finan­zi­elle Gewinne erzielt und die Batterie geschont, da keine tatsäch­li­chen Lade- oder Entla­de­vor­gänge stattfinden.

Multi-Market-Optimierung

Beispiel­rech­nung: Arbitrage mit Batte­rie­spei­cher über mehrere Märkte 

Angenommen, man hat einen Speicher mit 4 MW Leistung und 4 MWh Kapazität, das heißt, die Batterie kann in einer Viertel­stunde bei voller Belade-/Entla­de­leis­tung genau 1 MWh an Strom liefern. Pro Viertel­stunde können wir also 1 MWh handeln. Der Batte­rie­spei­cher wird auf den verschie­denen Strom­märkten einge­setzt: 

Zur DA-Auktion am Vortag um 12 Uhr zeigt die Prognose, dass die günstigste Viertel­stunde am Folgetag jene von 11:00-11:15 Uhr ist und für 20 €/MWh gehan­delt wird. Daher kaufen wir diese in der Auktion günstig ein. Die teuerste Viertel­stunde ist gemäß der DA-Preis­pro­gnose am Folgetag jene von 18:00-18:15 Uhr für 200 €/MWh. Diese verkaufen wir in der Auktion entspre­chend. Ohne weitere Optimie­rung ergäbe das für unsere 1MWh einen Erlös von 180 €. 

Um 15 Uhr des Vortags folgt die IDA1-Auktion. Die Preis­pro­gnose zeigt, dass dort die Viertel­stunde 12:15-12:30 Uhr am Folgetag mit 15 €/MWh noch günstiger als die in der DA-Auktion bereits gekaufte Viertel­stunde von 11:00-11:15 Uhr gehan­delt wird. Daher wird diese Viertel­stunde 12:15-12:30 Uhr von uns in der IDA1-Auktion gekauft und die im DA-Markt für 20 €/MWh gekaufte Viertel­stunde 11:00-11:15 Uhr, die laut der IDA1-Preis­pro­gnose nun 30 €/MWh wert ist, verkauft. Wir erzielen aus diesem Handel also 10 € Erlös. Die laut der IDA1-Preis­pro­gnose erwar­tete teuerste Viertel­stunde liegt nun am Folgetag bei 19:15-19:30 Uhr bei 250 €/MWh, weshalb wir diese verkaufen. Im Gegenzug müssen wir daher die zuvor am DA-Markt für 200 €/MWh verkaufte Viertel­stunde 18:00-18:15 Uhr, die hier 150 €/MWh kostet, wieder zurück­kaufen. Dadurch wird ein Erlös von 50 € erzielt. 

Auch am konti­nu­ier­li­chen Intraday-Markt lässt sich weiter nachop­ti­mieren: Dort ist die Viertel­stunde 13:30-13:45 Uhr mit -5 €/MWh am günstigsten. Wir kaufen also diese. Im Gegenzug verkaufen wir die Viertel­stunde von 12:15-12:30 Uhr, die wir am IDA1-Markt für 15 € gekauft haben. Diese ist nun am ID(cont) 25 €/MWh wert ist. Wir machen also den IDA1-Trade wieder rückgängig. Wir erzielen aus diesem Handel 10 € Erlös. Abends ist die bereits auf dem IDA1-Markt gekaufte Viertel­stunde 19:15-19:30 Uhr nach wie vor am teuersten. Hier ergibt also eine Optimie­rung keinen weiteren Sinn.  

Arbitrage mit Batteriespeicher über mehrere Märkte ​

Am Ende des Tages werden die Liefer­ver­pflich­tungen erfüllt. Durch die reali­sierten physi­schen Liefe­rungen, also durch den 

  • Verkauf der Viertel­stunde 19:15-19:30 Uhr am IDA1-Markt für 250 €/MWh 
  • Einkauf der Viertel­stunde 13:30-13:45 Uhr am ID(cont) für -5 €/MWh  

wird für unsere 1MWh ein Erlös von 255 € = 250 € - (-5 €) erzielt. Zusätz­lich wird in unserem Beispiel ein Erlös von 70 € = 10 € + 50 € + 10 € durch virtu­elle Geschäfte an verschie­denen Strom­märkten erzielt. Insge­samt haben wir durch den Handel am DA-, IDA1- und ID(cont)-Markt einen Erlös von 255 € + 70 € = 325 € erzielt. 

Da Strom­handel in der Praxis deutlich komplexer ist und von umfang­rei­chen Algorithmen bestimmt wird, dienen die hier beschrie­benen Beispiele ledig­lich dazu, die tatsäch­li­chen Abläufe verein­fa­chend zu erklären.

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