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Batte­rie­spei­cher

Lesezeit: 4 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Was sind Batteriespeicher? 

Als Batte­rie­spei­cher werden im Allge­meinen statio­näre Akkumu­la­toren bezeichnet, die sich durch ihre Fähig­keit auszeichnen, elektri­sche Energie flexibel aufzu­nehmen, zu speichern und abzugeben. Je nach Bauart und Größe lassen sich unter­schied­liche Einsatz- und Vermark­tungs­mög­lich­keiten ableiten.   

In der Energie­wirt­schaft werden Batte­rie­spei­cher für verschie­dene Zwecke einge­setzt, beispiels­weise zum Ausgleich von Strom­an­gebot und -nachfrage im Netz, zur Bereit­stel­lung von System­dienst­leis­tungen sowie zur Integra­tion erneu­er­barer Energien in das Strom­system.  

Batte­rie­spei­cher lassen sich in drei unter­schied­liche Größen­ord­nungen einteilen: PV-Heimspei­cher für Privat­haus­halte mit einer Kapazität von weniger als 30 kWh, Gewerbe- und Indus­trie­spei­cher mit einer Kapazität zwischen 30 und 1.000 kWh sowie Großbat­te­rie­spei­cher mit einer Kapazität von mehr als 1.000 kWh.

Auf welchen Märkten sind Batte­rie­spei­cher einsetzbar? 

Batte­rien jeder Größe sind für eine Vielzahl von Anwen­dungen einsetzbar. Je nach Einsatz­ge­biet müssen Batte­rie­spei­cher jedoch unter­schied­liche regula­to­ri­sche Anfor­de­rungen erfüllen.  

Je nach Spezi­fi­ka­tion können sie beispiels­weise für System­dienst­leis­tungen wie Netzsta­bi­li­sie­rung (Frequenz­re­ge­lung) und Peak-Shaving (Einspei­se­kap­pung), aber auch zur Lastver­schie­bung und Integra­tion fluktu­ie­render erneu­er­barer Energien (EE, Wind- und Solar­energie) einge­setzt werden.  

Dementspre­chend können ihre Dienst­leis­tungen auch auf verschie­denen Märkten angeboten werden und so z.B. Whole­sale-Arbitra­ge­er­löse (Day-Ahead und Intraday) sowie Erlöse auf den Regel­en­er­gie­märkten erzielen. Der Umfang des Einsatzes an den Strom­märkten hängt jedoch davon ab, ob es sich um einen Speicher mit Graustrom oder reinem Grünstrom (Speicher ohne Netzbezug, etwa in Kombi­na­tion mit einer EE-Anlage) handelt. Bei Speichern mit Graustrom ist der ausschließ­liche Zweck die Nutzung an den Strom­märkten (Whole­sales- und Regel­en­er­gie­märkte). Für die Verschie­bung der Einspei­sung der EE-Erzeu­gung zur Erzie­lung höherer Preise sowie zur Einhal­tung des Peak-Shavings bei begrenztem Netzan­schluss ist der grüne Speicher jedoch ideal geeignet.  

Aus welchen Kompo­nenten besteht ein Batteriespeichersystem? 

Batte­rie­spei­cher umfassen mitnichten nur die Batte­rie­zellen selbst, in denen die Energie elektro­che­misch gespei­chert wird. Erst durch eine Reihe weiterer Kompo­nenten ist ein technisch und wirtschaft­lich sinnvoller Einsatz möglich:

Leistungs­elek­tronik

Diese besteht im Wesent­li­chen zum einen aus dem Wechsel­richter, der je nach Bedarf Wechsel- oder Gleich­strom erzeugt, und zum anderen aus dem Trans­for­mator, der unter­schied­liche Strom­stärken und Spannungen erzeugt. Die Leistungs­elek­tronik wandelt also den ein- oder ausge­speisten Strom aus dem Netz so um, dass er in die Batte­rien ein- oder ausge­spei­chert werden kann.   

Batte­rie­ma­nage­ment­system (BMS)

Das BMS ist für das Laden und Entladen der Batterie zuständig. Dabei sorgt es für eine optimale Energie­auf­nahme und -abgabe und schützt damit einer­seits das Batte­rie­system und anderer­seits das Netz. 

Mess- und Zähltechnik

Die Kompo­nente misst den ein- und ausflie­ßenden Strom sowie erfasst den Eigen­ver­brauch der Batterie (etwa für Kühlung, Lüftung, Heizung, Licht). Diese Mess- und Zähler­werte werden unter anderem an den Netzbe­treiber und den Vermarkter weiter­ge­leitet. 

Module zur Marktteilnahme

Sie stellen die Verbin­dung zwischen dem Batte­rie­spei­cher und den verschie­denen Energie­märkten her, auf denen er vermarktet werden soll. Über sie werden die Signale an das BMS übermit­telt, wann es wie viel Strom speichern oder abgeben soll. Diese Signale können zum einen von einer Software des Vermark­ters kommen (Day-Ahead und Intraday Arbitrage), die die Strom­preise analy­siert und prognos­ti­ziert. Im Falle von System­dienst­leis­tungen (Regel­en­ergie) können die Signale aber auch vom Netzbe­treiber (Sekun­där­re­gel­leis­tung) oder von der Netzfre­quenz selbst (Primär­re­gel­leis­tung) kommen. 

Welche Batte­rie­spei­cher­tech­no­lo­gien gibt es? 

Generell gibt es viele verschie­dene Speicher­tech­no­lo­gien auf dem Markt, das heißt die Techno­logie der Batte­rien selbst, die die Energie elektro­che­misch speichern. Jede Techno­logie hat ihre Vor- und Nachteile. Die Wahl der Batte­rie­tech­no­logie hängt daher vom spezi­fi­schen Anwen­dungs­fall und den Markt­be­din­gungen ab. Zu den Batte­rie­spei­cher­tech­no­lo­gien zählen:

Lithium-Ionen-Batte­rien

Li-Ion-Batte­rien sind derzeit der Standard, da sie am weitesten entwi­ckelt sind und bereits in Massen­pro­duk­tion herge­stellt werden. Sie besitzen eine lange Lebens­dauer und einen hohen Wirkungs­grad (ca. 95 %). Das heißt, sie geben die gespei­cherte Energie fast vollständig wieder ab. Ihr größter Vorteil ist jedoch die hohe volume­tri­sche Energie­dichte, denn keine andere Batte­rie­tech­no­logie speichert so viel Energie in so kleinen Zellen wie die Li-Ion-Batterie. Zu den Nachteilen gehört, dass die knappen Rohstoffe zum Teil unter humanitär und ökolo­gisch schwie­rigen Bedin­gungen abgebaut werden. Außerdem sind die Zellen nicht überla­dungs- oder tiefent­la­dungs­fest, weshalb für einen sicheren Betrieb ein Balancer (Ausgleichs­regler) oder ein BMS erfor­der­lich ist.
Lithium-Batterie ist nicht gleich Lithium-Batterie. Inner­halb dieser Speicher­klasse gibt es erheb­liche Unter­schiede in der inneren Zusam­men­set­zung der Speicher­zellen (Zell-Chemie). Die gebräuch­lichsten Zell-Chemien in Lithium-Ionen-Batte­rien sind unter anderem:

Nickel-Mangan-Cobalt-Akkumu­lator (NMC)

Diese Batterie besteht aus Schwer­me­tallen, die den herkömm­li­chen Li-Ion-Batte­rien “beigemischt” werden. Dadurch wird die Energie­dichte erhöht. Die Techno­logie steht jedoch in der Kritik, was die Nachhal­tig­keit betrifft, da Kobalt und Nickel giftige Schwer­me­talle sind. 

Lithium-Eisen­phos­phat-Akkumu­lator (LFP)

Die LFP-Batterie ist langlebig, feuer­fest und zudem kosten­güns­tiger als die NMC-Batterie, da sie ohne teure Schwer­me­talle auskommt. Damit ist diese Batte­rie­tech­no­logie auch deutlich umwelt­freund­li­cher. Ein großer Nachteil ist jedoch die gerin­gere Energie­dichte im Vergleich etwa zu NMC-Batte­rien. Dies führt bei gleicher Leistung zu einer Zunahme von Größe und Gewicht.

Natrium-Ionen-Batte­rien

Natrium-Ionen-Batte­rien sind ähnlich aufge­baut wie Lithium-Ionen-Batte­rien, kommen aber mit deutlich weniger oder gar keinen kriti­schen Rohstoffen aus, sind noch sicherer im Betrieb und zudem günstiger im Preis. Sie sind damit insge­samt umwelt- und sozial­ver­träg­li­cher als lithi­um­ba­sierte Batte­rie­tech­no­lo­gien. Die Energie­dichte ist aller­dings etwas geringer als bei Li-Ionen-Batte­rien. Da die Massen­pro­duk­tion erst am Anfang steht, werden die Kosten für Natrium-Ionen-Batte­rien voraus­sicht­lich weiter sinken.

Bleiak­ku­mu­la­toren

Diese Strom­spei­cher haben sich seit Jahrzehnten in einer Vielzahl von Anwen­dungen bewährt und sind auch heute noch weit verbreitet. Dies liegt daran, dass sie sowohl aus wirtschaft­li­cher als auch aus techni­scher Sicht eine Reihe von Vorteilen bieten: Aufgrund der sehr guten Verfüg­bar­keit und des günstigen Rohstoff­ein­satzes ist die Batterie beson­ders günstig in der Anschaf­fung, zudem sehr robust und wartungsarm. Aller­dings sind Bleibat­te­rien deutlich schwerer und größer als vergleich­bare Lithium-Ionen-Batte­rien. Außerdem haben sie eine relativ kurze Lebens­dauer (gemessen an den Lade- und Entla­de­zy­klen) und einen gerin­geren Wirkungs­grad (ca. 80 %). Herkömm­liche Bleiak­ku­mu­la­toren sind z.B. für Solar­an­lagen ungeeignet, daher wurden Blei-Säure-Akkumu­la­toren entwi­ckelt, die für die Speiche­rung von Solar­strom geeignet sind.

Natrium-Schwefel-Batte­rien

NAS-Batte­rien galten lange Zeit als eine Revolu­tion in der modernen Batte­rie­tech­no­logie. Auch heute noch gelten sie als sehr zuver­lässig, betriebs­si­cher und langlebig. Im Vergleich zu anderen Batte­rie­tech­no­lo­gien haben sie eine höhere Energie­dichte, eine höhere Kapazität und eine längere Lebens­dauer. Da sie vergleichs­weise teuer sind und spezi­elle Betriebs­be­din­gungen erfor­dern, eignen sie sich vor allem für die statio­näre Energie­spei­che­rung im großen Maßstab und werden vor allem als Langzeit-Batte­rie­spei­cher eingesetzt.

Redox-Flow-Batte­rien

Im Gegen­satz zu Li-Ionen-Batte­rien basieren Redox-Flow-Batte­rien auf einem flüssigen elektro­che­mi­schen Speicher. Die flüssigen Elektro­lyte werden außer­halb der eigent­li­chen Zelle, in der der Strom in chemi­sche Energie umgewan­delt wird, in Tanks unter­schied­li­cher Oxida­ti­ons­stufen gelagert. Dadurch können Leistung und Kapazität nahezu unabhängig vonein­ander skaliert und so für die jewei­lige Anwen­dung konfi­gu­riert werden. Zudem haben sie eine noch längere Lebens­dauer als Lithium-Ionen-Batte­rien. Außerdem verwenden sie keine seltenen Rohstoffe, sind daher weniger toxisch und ein Recycling ist möglich. Diese Techno­logie ist aller­dings derzeit noch weniger ausge­reift und verbreitet als die anderen. Auch die Herstel­lung ist derzeit noch sehr aufwändig.

 

Entschei­dend für die richtige Wahl sind daher die spezi­fi­schen Anfor­de­rungen des jewei­ligen Anwen­dungs­falles. Alle diese Techno­lo­gien haben unter­schied­liche Vor- und Nachteile in Bezug auf ökolo­gi­sche, ökono­mi­sche und techni­sche Parameter wie Rohstoffe, Inves­ti­tions- und Wartungs­kosten, Kapazität, Leistung und Lebens­dauer. Darüber hinaus werden die aktuellen Batte­rie­spei­cher­tech­no­lo­gien weltweit ständig weiter­ent­wi­ckelt, verbes­sert oder sogar neue Techno­lo­gien entwickelt.

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