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Post EEG: Alles was Sie wissen müssen mit Check­liste für den Weiter­be­trieb

Lesezeit: 5 Minuten
Zum Jahres­ende werden die erste Erneu­er­baren Energien Anlagen den Anspruch auf die EEG-Vergü­tung verlieren.. Bis Ende 2025 fallen knapp 200.000 Anlagen, deren Gesamt­leis­tung insge­samt rund 1.930 MW beträgt, aus der EEG-Förde­rung. In diesem Beitrag gehen wir auf die Verän­de­rungen ein, welche der bevor­ste­hende Wandel für Anlagen­be­treiber und Energie­dienst­leister mit sich bringt.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Post-EEG?

Post-EEG bezieht sich auf den Zeitraum nach Auslaufen der EEG-Förde­rung. Also auf all jene Anlagen, welche nach 20 Jahren keine finan­zi­elle Förde­rungen mehr im Rahme des des EEG beziehen können. Da das EEG jedoch die allge­meinen Rahmen­be­din­gungen für nachhal­tige Energie­ver­sor­gung schafft, fallen die Anlage nach Ende des Förder­zeit­raum nicht gänzlich aus dem Geltungs­be­reich des Gesetzes. Die allge­meinen Regelungen, wie zum Beispiel Netzzu­gang und Anspruch auf die Abnahme des erzeugten Stroms, bleiben auch nach Ende des Förder­an­spruchs weiterhin bestehen. Der Begriff Post EEG bezieht sich im Zuge dessen ausschließ­lich auf die Zeit nach der EEG-Vergü­tung.

Was ist die Sonstige Direkt­ver­mark­tung

Unter die sonstige Direkt­ver­mark­tung fallen alle Anlagen, welche keine Anspruch auf einen EEG Förde­rung (mehr) haben oder freiwillig darauf verzichten. Ein Vorteil gegen­über der geför­derten Direkt­ver­mark­tung ist, dass die Grünstrom­ei­gen­schaft des Stroms in Form von Herkunfts­nach­weisen separat vermarktet werden kann. Während die Herstel­lung der Fernsteu­er­bar­keit in der sonstigen Direkt­ver­mar­kung nicht gesetz­lich verpflich­tend ist (von dem Direkt­ver­markter jedoch gefor­dert werden kann), müssen Anlagen­be­treiber Ihre Anlagen mit einer Messein­rich­tung zu viertel­stünd­li­chen Messung und Bilan­zie­rung ausrüsten (z.B. RLM-Zähler).

Was müssen Anlagen­be­treiber beachten?

Erneu­er­bare Energien Anlagen dürfen nur dann Strom ins öffent­liche Netz einspeisen, wenn sie einer Veräu­ße­rungs­form gem. §21b EEG 2017 zugeordnet sind. Die sogenannten Post-EEG Anlagen werden der sonstigen Direkt­ver­mark­tung zugeordnet. Anlagen­be­treiber müssen sich im Zuge dessen noch selbst­ständig um einen Direkt­ver­markter kümmern, der den produ­zierten Strom abnimmt und vermarktet. In der Regel kümmert sich der Direkt­ver­markter dann um die Meldung an den Netzbe­treiber, in welchen Bilanz­kreis der Strom bilan­ziert wird. Zusätz­lich muss der Anlagen­be­treiber dafür sorgen, dass seine Anlage mit der richtigen Messtechnik (1/4 Messung und Bilan­zie­rung) ausge­rüstet ist. Diese kann je nach techni­schem Stand der Anlage bereits instal­liert sein.

Falls die Vorgaben der sonstigen Direkt­ver­mark­tung nicht oder fehler­haft erfüllt werden, kann dies zu unter­schied­li­chen Konse­quenzen führen. Wenn kein aktiver Wechsel in die korrekte Veräu­ße­rungs­form getätigt wird, besteht in Folge dessen auch kein gesetz­li­ches Recht auf Einspei­sung, Übertra­gung und Vertei­lung des produ­zierten Stroms. Ohne Direkt­ver­markter oder passender techni­scher Ausrüsten können weitere Probleme auf den Anlagen­be­treiber zukommen. Im schlimmsten Fall droht ein Schadens­er­satz­an­spruch vonseiten des Netzbe­trei­bers. Dieser kann auf Grund­lage eines bestehenden Einspeise-Nutzungs­ver­trages oder ohne vertrag­liche Grund­lage durch Unter­las­sungs­an­spruch (§1004 BGB) geltend gemacht werden.

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Post-EEG Optionen für Betreiber von Windkraft­an­lagen

Für Windan­lagen kommen im Zuge von Post-EEG im wesent­lich drei Optionen in Frage. Sie können durch den Weiter­be­trieb in der sonstigen Direkt­ver­mark­tung ihren erzeugten Strom weiterhin vollständig einspeisen. Darüber hinaus besteht die Möglich­keit des Repowerings, bei dem einzelne Kompo­nenten der Anlage oder die gesamte Anlage gegen leistungs­fä­hi­gere Teile bzw. eine moderne Anlage im Allge­meinen ausge­tauscht werden. Letzte Möglich­keit ist der Rückbau der Anlage wobei sämtliche Anlagen­teile abgebaut und entsorgt werden. Diese Option sollte jedoch nur gezogen werden, falls keine Möglich­keit zur Weiter­füh­rung des Betriebs gefunden werden kann.

Welche Modelle gibt es für den Weiter­be­trieb von PV-Anlagen?

Prinzi­piell kann von drei grund­sätz­li­chen Weiter­be­triebs-Modellen gespro­chen werden. Die erste Möglich­keit ist dabei die Vollein­spei­sung, bei der Anlagen auf die sonstige Direkt­ver­mark­tung umgerüstet werden. Hier werden durch die komplette Einspei­sung des Stroms ins Netz Erlöse generiert. Als klarer Pluspunkt erweist es sich bei diesem Modell, dass man nach wie vor zur Errei­chung klima­po­li­ti­scher Ziele im Zuge der Energie­wende beiträgt. Betreiber leisten somit einen aktiven Beitrag zur Energie­wende. Des Weiteren ist die vermarkt­bare Grünstrom­ei­gen­schaft positiv zu vermerken. Im Gegen­satz dazu können jedoch Strom­be­zugs­kosten nicht vermieden werden und es können auch zusätz­lich Umrüs­tungs­kosten anfallen.

Als zweite Option kommt die Umrüs­tung zum Eigen­ver­brauch mit Überschuss­ein­spei­sung ins Spiel. Hier wird der eigene Strom­be­darf gedeckt und etwaige Strom­über­schüsse können per sonstiger Direkt­ver­mark­tung ins Netz einge­speist werden. Die Vorteile ergeben sich auch hier aus den durch Eigen­ver­brauch vermie­denen Strom­be­zugs­kosten, welche die Weiter­be­triebs­kosten decken können. Zudem tragen die Betreiber auch hier zur Errei­chung klima­po­li­ti­scher Ziele bei und treiben die Energie­wende selbst aktiv mit voran. Die vermarkt­bare Grünstrom­ei­gen­schaft ist hier ebenfalls ein Vorteil. Aller­dings fallen auch hier die Umrüs­tungs­kosten für die sonstige Direkt­ver­mark­tung und die Eigen­ver­brauchs­nut­zung an.

Im Zuge des dritten Weiter­be­triebs-Modells wird die Anlage komplett auf Eigen­ver­brauch umgerüstet, dabei werden Strom­über­schüsse Richtung öffent­li­ches Netz abgerie­gelt (Insel­be­trieb). Dieses Modell bringt zwei klare Vorteile mit sich: So deckt der Eigen­ver­brauch die Weiter­be­triebs­kosten und in Kombi­na­tion mit Speichern ist zudem die Möglich­keit zur Energie-Autarkie gegeben. Aller­dings wird mit zuneh­mender Anzahl die Errei­chung klima­po­li­ti­scher Ziele poten­ziell gefährdet, aufgrund einer mangelnden Einspei­sung von Strom aus Erneu­er­baren Energien. Darüber hinaus fallen Umrüs­tungs­kosten für die Eigen­ver­brauchs­nut­zung und der Abrege­lung an. Bei Option zwei und drei ist zu beachten, dass auf den eigen verbrauchten Strom auch bei ausge­för­derten und <10kW Anlagen 40 % der EEG-Umlage anfallen (§61a Nr. 2 Hs. 2 EEG 2017).

Aktuelle Diskus­sionen und Lösungs­an­sätze

Aufgrund der vielen Anfor­de­rungen und den damit verbun­denen Anfor­de­rungen welche die sonstige Direkt­ver­mark­tung mit sich bringt, stellt sich insbe­son­dere für Anlagen <30kW derzeit häufig die Frage nach der Wirtschaft­lich­keit.Pauschal kann jedoch keine Aussage getroffen werden, für welche Anlage die sonstige Direkt­ver­mark­tung wirtschaft­lich oder nicht ist. Eine fundierte Aussage dazu kann nur durch die indivi­du­elle Prüfung der Gegeben­heiten der einzelnen Anlagen gegeben werden.Mit nahenden Auslauf der EEG-Förde­rung werden auch die Rufe nach neuen Lösungs­an­sätzen lauter. Dementspre­chend kursieren momentan viele Diskus­sionen vonseiten unter­schied­li­cher Markt­teil­nehmer um mögliche Weiter­be­triebs­mo­delle.Die Durch­lei­tung des Markt­werts, ein Vorschlag des BMWis, würde auch außer­halb der Rahmen­be­din­gungen der Direkt­ver­mark­tung von statten gehen. Hierbei sollen Anlagen­be­treiber insofern unter­stützt werden, dass die gesamte Menge an einge­speister Energie vonseiten des Netzbe­trei­bers anhand des Monats­markt­werts der jewei­ligen Techno­logie vergütet wird. Deutlich komplexer ist im Vergleich dazu das “symme­tri­sche” Modell der Bundes­netz­agentur, welches auf sog. “Prosumer” abzielt. „Prosumer“ werden dabei als Anlagen­be­treiber angesehen, die den eigens erzeugten Strom auch für den Eigen­ver­brauch nutzen. Inner­halb dieses Modells kommt dem Liefe­ranten die entschei­dende Rolle zu. Anlagen­be­treiber speisen die gesamte Erzeu­gung in das öffent­liche Netz ein, wo die kaufmän­ni­sche Abnahme durch den Netzbe­treiber mit üblicher Wälzung und ÜNB-Vermark­tung erfolgt. Aller­dings erhält nicht der Anlagen­be­treiber die Einspei­se­ver­gü­tung, sondern die Energie­lie­fe­ranten. Diese versorgen die Anlagen­be­treiber über das ganze Jahr hinweg mit ihrem indivi­du­ellen Verbrauch. Abgerechnet wird in diesem Modell anhand einer Jahres­ab­rech­nung. Der Liefe­rant verrechnet Einspei­se­ver­gü­tung und Belie­fe­rung am Jahres­ende auf Basis des Erzeu­gungs­zäh­lers und der Zähler­stände am Hausan­schluss (Zweirich­tungs-zähler).Neben den beiden beschrie­benen Modelle existieren noch diverse weitere Vorschläge. Wann und in welchem Umfang eine dieser Post-EEG Lösungen umgesetzt wird ist derzeit noch nicht absehbar. Wir vom virtu­ellen Kraft­werk halten Sie auch weiterhin über die aktuellen Entwick­lungen auf dem Laufenden und helfen Ihnen, die für Ihre Anlage passende Weiter­be­triebs­op­tion zu finden.Schon bald können Sie bei uns Angebote für die sonstige Direkt­ver­mark­tung erhalten, dabei können Sie wählen ob ihr Strom zu Spotpreisen oder dem techno­lo­gie­spe­zi­fi­schen Monats­markt­wert vergütet werden soll.
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Verena Dreher

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