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Post EEG: Alles was Sie wissen müssen mit Checkliste für den Weiterbetrieb

Lesezeit: 4 Minuten
Zum Jahresende werden die erste Erneuerbaren Energien Anlagen den Anspruch auf die EEG-Vergütung verlieren.. Bis Ende 2025 fallen knapp 200.000 Anlagen, deren Gesamtleistung insgesamt rund 1.930 MW beträgt, aus der EEG-Förderung. In diesem Beitrag gehen wir auf die Veränderungen ein, welche der bevorstehende Wandel für Anlagenbetreiber und Energiedienstleister mit sich bringt.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Post-EEG?

Post-EEG bezieht sich auf den Zeitraum nach Auslaufen der EEG-Förderung. Also auf all jene Anlagen, welche nach 20 Jahren keine finanzielle Förderungen mehr im Rahmen des des EEG beziehen können.Da das EEG jedoch die allgemeinen Rahmenbedingungen für nachhaltige Energieversorgung schafft, fallen die Anlagen nach Ende des Förderzeitraum nicht gänzlich aus dem Geltungsbereich des Gesetzes. Die allgemeinen Regelungen, wie zum Beispiel Netzzugang und Anspruch auf die Abnahme des erzeugten Stroms, bleiben auch nach Ende des Förderanspruchs weiterhin bestehen. Der Begriff Post EEG bezieht sich im Zuge dessen ausschließlich auf die Zeit nach der EEG-Vergütung.

Was ist die sonstige Direktvermarktung?

Unter die sonstige Direktvermarktung fallen alle Anlagen, welche keinen Anspruch (mehr) auf einen EEG Förderung haben oder freiwillig darauf verzichten. Ein Vorteil gegenüber der geförderten Direktvermarktung ist, dass die Grünstromeigenschaft des Stroms in Form von Herkunftsnachweisen separat vermarktet werden kann. Während die Herstellung der Fernsteuerbarkeit in der sonstigen Direktvermarkung nicht gesetzlich verpflichtend ist (von dem Direktvermarkter jedoch gefordert werden kann), müssen Anlagenbetreiber ihre Anlagen mit einer Messeinrichtung zu viertelstündlichen Messung und Bilanzierung ausrüsten (z.B. RLM-Zähler).

Was müssen Anlagenbetreiber beachten?

Erneuerbare Energien Anlagen dürfen nur dann Strom ins öffentliche Netz einspeisen, wenn sie einer Veräußerungsform gem. §21b EEG 2017 zugeordnet sind. Die sogenannten Post-EEG Anlagen werden der sonstigen Direktvermarktung zugeordnet. Anlagenbetreiber müssen sich im Zuge dessen noch selbstständig um einen Direktvermarkter kümmern, der den produzierten Strom abnimmt und vermarktet. In der Regel kümmert sich der Direktvermarkter dann um die Meldung an den Netzbetreiber, in welchen Bilanzkreis der Strom bilanziert wird. Zusätzlich muss der Anlagenbetreiber dafür sorgen, dass seine Anlage mit der richtigen Messtechnik (Viertelstündliche Messung und Bilanzierung) ausgerüstet ist. Diese kann je nach technischem Stand der Anlage bereits installiert sein.Falls die Vorgaben der sonstigen Direktvermarktung nicht oder fehlerhaft erfüllt werden, kann dies zu unterschiedlichen Konsequenzen führen. Wenn kein aktiver Wechsel in die korrekte Veräußerungsform getätigt wird, besteht in Folge dessen auch kein gesetzliches Recht auf Einspeisung, Übertragung und Verteilung des produzierten Stroms. Ohne Direktvermarkter oder passendes technisches Ausrüsten können weitere Probleme auf den Anlagenbetreiber zukommen. Im schlimmsten Fall droht ein Schadensersatzanspruch vonseiten des Netzbetreibers. Dieser kann auf Grundlage eines bestehenden Einspeise-Nutzungsvertrages oder ohne vertragliche Grundlage durch Unterlassungsanspruch (§1004 BGB) geltend gemacht werden.

Post-EEG Optionen für Betreiber von Windkraftanlagen

Für Windanlagen kommen im Zuge von Post-EEG im wesentlich drei Optionen in Frage. Sie können durch den Weiterbetrieb in der sonstigen Direktvermarktung ihren erzeugten Strom weiterhin vollständig einspeisen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit des Repowerings, bei dem einzelne Komponenten der Anlage oder die gesamte Anlage gegen leistungsfähigere Teile bzw. eine moderne Anlage im Allgemeinen ausgetauscht werden. Die letzte Möglichkeit ist der Rückbau der Anlage, wobei sämtliche Anlagenteile abgebaut und entsorgt werden. Diese Option sollte jedoch nur in Betracht gezogen werden, falls keine Möglichkeit zur Weiterführung des Betriebs gefunden werden kann.

Welche Modelle gibt es für den Weiterbetrieb von PV-Anlagen?

Prinzipiell kann von drei grundsätzlichen Weiterbetriebs-Modellen gesprochen werden. Die erste Möglichkeit ist dabei die Volleinspeisung, bei der Anlagen auf die sonstige Direktvermarktung umgerüstet werden. Hier werden durch die komplette Einspeisung des Stroms ins Netz Erlöse generiert. Als klarer Pluspunkt erweist es sich bei diesem Modell, dass man nach wie vor zur Erreichung klimapolitischer Ziele beiträgt – Betreiber leisten somit einen aktiven Beitrag zur Energiewende. Des Weiteren ist die vermarktbare Grünstromeigenschaft positiv zu vermerken. Im Gegensatz dazu können jedoch Strombezugskosten nicht vermieden werden und es können auch zusätzlich Umrüstungskosten anfallen.

Als zweite Option kommt die Umrüstung zum Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung ins Spiel. Hier wird der eigene Strombedarf gedeckt und etwaige Stromüberschüsse können per sonstiger Direktvermarktung ins Netz eingespeist werden. Die Vorteile ergeben sich auch hier aus den durch Eigenverbrauch vermiedenen Strombezugskosten, welche die Weiterbetriebskosten decken können. Zudem tragen die Betreiber auch hier zur Erreichung klimapolitischer Ziele bei und treiben die Energiewende selbst aktiv mit voran. Die vermarktbare Grünstromeigenschaft ist ebenfalls von Vorteil. Allerdings fallen auch hier die Umrüstungskosten für die sonstige Direktvermarktung und die Eigenverbrauchsnutzung an.

Im Zuge des dritten Weiterbetriebs-Modells wird die Anlage komplett auf Eigenverbrauch umgerüstet, dabei werden Stromüberschüsse Richtung öffentliches Netz abgeriegelt (Inselbetrieb). Dieses Modell bringt zwei klare Vorteile mit sich: So deckt der Eigenverbrauch die Weiterbetriebskosten und in Kombination mit Speichern ist zudem die Möglichkeit zur Energie-Autarkie gegeben. Allerdings wird mit zunehmender Anzahl die Erreichung klimapolitischer Ziele potenziell gefährdet, aufgrund einer mangelnden Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien. Darüber hinaus fallen Umrüstungskosten für die Eigenverbrauchsnutzung und der Abregelung an. Bei Option zwei und drei ist zu beachten, dass auf den eigens verbrauchten Strom auch bei geförderten und <10kW Anlagen 40 % der EEG-Umlage anfallen (§61a Nr. 2 Hs. 2 EEG 2017).

Aktuelle Diskussionen und Lösungsansätze

Aufgrund der vielen Anforderungen, welche die sonstige Direktvermarktung mit sich bringt, stellt sich insbesondere für Anlagen <30kW derzeit häufig die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Pauschal kann jedoch keine Aussage getroffen werden, für welche Anlage die sonstige Direktvermarktung wirtschaftlich oder nicht ist. Eine fundierte Aussage dazu kann nur durch die individuelle Prüfung der Gegebenheiten der einzelnen Anlagen gegeben werden.

Mit nahendem Auslauf der EEG-Förderung werden auch die Rufe nach neuen Lösungsansätzen lauter. Dementsprechend kursieren momentan viele Diskussionen vonseiten unterschiedlicher Marktteilnehmer um mögliche Weiterbetriebsmodelle.

Die Durchleitung des Marktwerts, ein Vorschlag des BMWis, würde auch außerhalb der Rahmenbedingungen der Direktvermarktung von statten gehen. Hierbei sollen Anlagenbetreiber insofern unterstützt werden, dass die gesamte Menge an eingespeister Energie durch den Netzbetreiber anhand des Monatsmarktwerts der jeweiligen Technologie vergütet wird.

Deutlich komplexer ist im Vergleich dazu das „symmetrische“ Modell der Bundesnetzagentur, welches auf sog. „Prosumer“ abzielt. „Prosumer“ werden dabei als Anlagenbetreiber angesehen, die den eigens erzeugten Strom auch für den Eigenverbrauch nutzen. Innerhalb dieses Modells kommt dem Lieferanten die entscheidende Rolle zu. Anlagenbetreiber speisen die gesamte Erzeugung in das öffentliche Netz ein, wo die kaufmännische Abnahme durch den Netzbetreiber mit üblicher Wälzung und ÜNB-Vermarktung erfolgt. Allerdings erhält nicht der Anlagenbetreiber die Einspeisevergütung, sondern die Energielieferanten. Diese versorgen die Anlagenbetreiber über das ganze Jahr hinweg mit ihrem individuellen Verbrauch. Die Abrechnung erfolgt dabei anhand einer Jahresabrechnung. Der Lieferant verrechnet Einspeisevergütung und Belieferung am Jahresende auf Basis des Erzeugungszählers und der Zählerstände am Hausanschluss (Zweirichtungs-zähler).

Neben den beiden beschriebenen Modelle existieren noch diverse weitere Vorschläge. Wann und in welchem Umfang eine dieser Post-EEG Lösungen umgesetzt wird, ist derzeit noch nicht absehbar.
Wir vom virtuellen Kraftwerk halten Sie auch weiterhin über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden und helfen Ihnen, die für Ihre Anlage passende Weiterbetriebsoption zu finden.

Schon bald können Sie bei uns Angebote für die sonstige Direktvermarktung erhalten: Dabei können Sie wählen, ob Ihr Strom zu Spotpreisen oder dem technologiespezifischen Monatsmarktwert vergütet werden soll. 

Post EEG Checkliste für den Weiterbetrieb kostenfrei herunterladen

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Verena Dreher

Verena Dreher

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